Übernahme in der Gesundheitsindustrie : Fresenius expandiert auf dem US-amerikanischen Markt

Pharmakonzern übernimmt für 3,7 Milliarden Dollar den Arzneimittelhersteller APP. Damit expandiert Fresenius auf dem US-Markt und baut seinen globalen Vertrieb aus.

Fresenius
Fresenius baut seinen Marktanteil aus. -Foto: dpa

Frankfurt am MainDer Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius kauft sich in den lukrativen US-amerikanischen Pharmamarkt ein. Fresenius erwirbt für 3,7 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) den Generikahersteller APP. Das Unternehmen hat sich auf intravenös zu verabreichende, patentfreie Nachahmermedikamente (Generika) spezialisiert. Der Gesamtpreis kann einschließlich der Übernahme von Schulden und Erfolgsbeteiligungen auf bis zu 5,6 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) steigen. Der Großaktionär von APP, der 80 Prozent der Anteile hält, hat dem Angebot bereits zugestimmt.

Fresenius ist in den USA bislang nur durch seine Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) präsent. Die Infusionssparte Fresenius Kabi, die zuletzt rund zwei Milliarden Euro Umsatz machte, ist dagegen auf Europa und Asien fokussiert.

Fresenius wird fünft größter Hersteller von intravenös verabreichter Medizin

Mit dem Kauf von APP wird der Bad Homburger Konzern nach den Worten seines Vorstandsvorsitzenden Ulf Schneider "in die Liga der weltweit fünf größten Hersteller von intravenös verabreichten Generika“ vorstoßen. Kabi könne nun sein gesamtes Produktportfolio über APP in den USA vertreiben. Umgekehrt sollen die APP-Medikamente über die Kabi-Organisation verkauft werden.

Fresenius gehört mit zuletzt 11,4 Milliarden Euro Umsatz europaweit zu den größten Medizinkonzernen und ist über die Tochterfirmen Fresenius Medical Care und Helios auch stark im Dialyse- und Klinikgeschäft vertreten.

Bereits vor Monaten hatte der Konzern das bis dahin relativ unbedeutende Medikamentengeschäft der Tochter Kabi durch kleinere Zukäufe verstärkt, unter anderem durch die Übernahme der indischen Firma Dabur.

Generika liegen im Trend

Der Vorstoß bei APP belegt das wachsende Interesse von großen Gesundheits- und Pharmakonzernen am Generikamarkt. Vor wenigen Wochen erst hatte der japanische Pharmahersteller Daiichi Sankyo eine milliardenschwere und noch gültige Offerte für die führende indische Generikafirma Ranbaxy vorgelegt. Und der französische Pharmakonzern Sanofi- Aventis will den tschechischen Generikaspezialisten Zentiva übernehmen. Auch für APP sollen führende internationale Pharmahersteller geboten haben, heißt es aus dem Fresenius-Konzern.

Dass die Bad Homburger den Zuschlag bekamen, sorgte an den Aktienmärkten gestern nicht eben für Begeisterung. Denn: Fresenius plant zur Finanzierung der Übernahme eine noch nicht näher bezifferte Kapitalerhöhung. Vor allem deshalb rauschte nach Ansicht von Händlern der Kurs der im M-Dax notierten Aktie um 9,3 Prozent auf 49,44 Euro nach unten. Allerdings soll nach Aussage von Finanzchef Stephan Sturm der überwiegende Teil des Kaufpreises nicht durch die geplante Kapitalerhöhung, sondern mit Fremdmitteln finanziert werden. Die Deutsche Bank, die Fresenius berät, habe ebenso wie JP Morgan und Credit Suisse entsprechende Zusagen gemacht.

Fresenius zahlt den Aktionären von APP Pharmaceuticals 23 Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von 29 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der an der Nasdaq notierten APP-Aktie von vergangenem Freitag entspricht. APP ist mit einem Umsatz von 647 Millionen Dollar und 17 Prozent Marktanteil die Nummer zwei im US-Markt intravenös verabreichter Generika. Dieser Teilbereich des Generikageschäfts gilt als relativ ertragsstark und als weniger stark umkämpft als das Massengeschäft.  (TSP)

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