Übernahme : Investor kauft 75 Prozent der Berentzen-Aktien

Die traditionsreiche Schnapsbrennerei Berentzen aus Haselünne in Niedersachsen wird zu großen Teilen vom Münchener Finanzinvestor Aurelius übernommen. Das Familienunternehmen hatte zuletzt ein Negativsaldo erwirtschaftet, einen Kurswechsel soll es aber nicht geben.

HaselünneAurelius teilte am Dienstag mit, sich mit den Eignerfamilien auf die Übernahme von 75,1 Prozent der 4,8 Millionen Stammaktien der Berentzen-Gruppe AG geeinigt zu haben. Aurelius-Vorstandschef Dirk Markus kündigte an, das Markenkonzept von Berentzen fortführen und 2009 die schwarzen Zahlen erreichen zu wollen. Berentzen setzte im vergangenen Jahr 186 Millionen Euro um (ohne Branntweinsteuer) und erwirtschaftete mit rund 700 Mitarbeitern einen Fehlbetrag von 11,8 Millionen Euro.

Weitere 4,8 Millionen stimmrechtslose Vorzugsaktien von Berentzen befinden sich den Angaben zufolge weiterhin in Streubesitz und sind im Gegensatz zu den Stammaktien börsennotiert. Aurelius kündigte an, für diese Berentzen-Aktien ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten zu wollen. Dieses werde auf 2,68 Euro lauten und entspreche damit dem gewichteten Kurs der vergangenen 90 Tage, sagte Markus. Über den Kaufpreis der Stammaktien wurde Stillschweigen vereinbart. Der Finanzinvestor Aurelius überschreitet mit dem Einstieg bei Berentzen die Marke von einer Milliarde Euro beim Umsatz.

Eine Übernahme der verbleibenden 24,9 Prozent der Stammaktien sei nicht beabsichtigt, sagte der Aurelius-Vorstandsvorsitzende. Sie befänden sich in den Händen von rund 20 Aktionären, darunter die Stämme der Gründerfamilie um Jan Bernd, Christian und dessen Vater Friedrich Berentzen. Die Aktionäre aus dem Kreis der Familien Pabst und Richarz hätten ihre Aktien komplett verkauft, sagte Markus. "Wir freuen uns, Aktiönäre aus dem Kreis der Familie Berentzen bei uns zu haben", betonte er.

Die Sparte der alkoholfreien Getränke könnte abgestoßen werden

Um den Verkauf der Berentzen-Anteile hatte es in den vergangenen Tagen erhebliche Differenzen innerhalb der Eignerfamilien gegeben. Während die Familien Pabst und Richarz das Kaufangebot von Aurelius annehmen wollten, hatten Teile der Familie Berentzen um den ehemaligen Vorstandschef Jan B. Berentzen dieses am vergangenen Mittwoch zunächst abgelehnt. Ob das Angebot nachgebessert wurde, war am Dienstag zunächst nicht bekannt.

Der Firmensitz Haselünne werde erhalten bleiben, sagte Markus, ebenso der zweite Hauptstandort Minden/Westfalen. Der Aurelius-Manager kündigte an, weiterhin jährlich 20 bis 25 Millionen Euro in die Markenstrategie von Berentzen investieren zu wollen. Neben der Kernmarke sollen auch Traditionsmarken im Portfolio des Schnapsbrenners wie Doornkaat oder Bommerlunder wieder stärker beworben werden. Markus schloss aber auch nicht aus, dass einzelne Marken oder die Sparte der alkoholfreien Getränke ("Vivaris") abgestoßen werden könnten. "Geplant haben wir das nicht", sagte er.

Über die Zukunft des Managements um Vorstandschef Axel Dahm sei noch nicht entschieden worden, sagte Markus. Es werde in den nächsten Tagen intensive Gespräche dazu geben. Am vergangenen Mittwoch waren der Chef des Berentzen-Aufsichtsrates, Manfred Greune, sowie zwei weitere Mitglieder zurückgetreten, nachdem der Verkauf zunächst gescheitert war. (fg/dpa)

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