Übernahme : Konzerne schmieden Stahlgiganten

Der Verwaltungsrat des Stahlkonzerns Arcelor hat das erhöhte Angebot von Mittal akzeptiert. Die größte Übernahmeschlacht in der Stahlindustrie ist entschieden.

Paris/Luxemburg - Nach fünfmonatigem Abwehrkampf gibt der europäische Stahlkonzern Arcelor nach: Die Unternehmensführung stimmte am Sonntag einer Übernahme durch den weltweit größten Stahlkonzern, Mittal Steel, zu. Mit dem Zusammenschluss der Nummer eins und zwei der Branche entsteht das weltweit mit Abstand größte Stahlunternehmen mit einer Jahresproduktion von rund 115 Millionen Tonnen. Das ist mehr als dreimal so viel wie die Produktion des nächstgrößten Konkurrenten, Nippon Steel aus Japan. Arcelor hatte sich seit Januar vehement gegen die Übernahme gewehrt, zuletzt legte Mittal aber nach Angaben aus Unternehmenskreisen ein verbessertes Angebot im Wert von rund 27,6 Milliarden Euro vor.

Einzelheiten der Entscheidung sollen nach Angaben von Arcelor am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Konzerne mitgeteilt werden. Der Verwaltungsrat von Arcelor hatte am Sonntag neun Stunden lang in Luxemburg beraten. Der luxemburgische Wirtschaftsminister Jeannot Krecké bestätigte anschließend die Empfehlung des Gremiums für Mittal. Ausschlaggebend war womöglich, dass Mittal sein Übernahmeangebot verbesserte: Nach Angaben aus Unternehmenskreisen bot der Konzern 40,37 Euro je Arcelor-Aktie. Das wären fast drei Euro mehr pro Aktie als zuvor. Arcelor als größter europäischer Stahlkonzern hatte bis zum Schluss daran festgehalten, kein Angebot von weniger als 40 Euro pro Aktie zu akzeptieren.

Mittal hatte Ende Januar ein Übernahmeangebot für Arcelor von zunächst 28,21 Euro pro Aktie veröffentlicht. Von dem europäischen Konzern waren die Pläne umgehend als feindlich abgelehnt und seither erbittert bekämpft worden. Arcelor-Chef Guy Dollé hatte vor einigen Wochen sogar einen Einstieg des russischen Unternehmens Severstal bei Arcelor eingefädelt, um Mittal auf Abstand zu halten. Doch die Bedingungen des geplanten Zusammenschlusses mit dem Konzern des russischen Milliardärs Alexej Mordaschow kamen bei den Aktionären nicht gut an.

Vor wenigen Tagen nahm Arcelor daher dann doch direkte Verhandlungen mit Mittal auf. Nun muss Arcelor den Russen womöglich wegen Vertragsbruchs eine Strafe in Höhe von 130 Millionen Euro zahlen. Severstal prüfe rechtliche Schritte gegen Arcelor, sagte der Strategiechef des Unternehmens, Thomas Veraszto, der «Financial Times Deutschland» vom Montag.

Mittal ist bereits jetzt der größte Stahlhersteller der Welt. Zusammen mit Arcelor entsteht ein Konzern mit weltweit 320.000 Mitarbeitern, davon knapp 17.000 in Deutschland - vor allem bei Arcelor Bremen und Eko-Stahl in Eisenhüttenstadt. Der gemeinsame Umsatz läge bei rund 69 Milliarden Dollar. (tso/AFP)

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