Wirtschaft : Übernahme: Mit weniger Mitarbeitern mehr verdienen

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Als Wolfgang Urban, seit Mitte Oktober 2000 Vorstandsvorsitzender des Karstadt-Quelle-Konzerns, nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt verkündete, er wolle die Konzernrendite auf vier Prozent im Jahre 2003 steigern, begannen die Mitarbeiter in den Warenhäusern um ihre Arbeitsplätze zu bangen. Um diese Vorgabe im Warenhausgeschäft zu erreichen, müsste die derzeitige Rendite dort vervierfacht werden. Urban verkündete im Herbst ein Zehn-Punkte-Wertsteigerungs-Programm, mit dem dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden soll. Als Ergebnis der Restrukturierung im Bereich Warenhäuser und Versand erwarte er bis zum Jahr 2003 ein Netto-Potenzial von 500 Millionen Mark. "Eine Größenordnung von mindestens 100 Millionen Mark wird bereits im Jahr 2001 realisiert werden", sagte Urban.

Anfang diesen Jahres wurden konkrete Zahlen genannt. Im Rahmen der Umstrukturierungen will der Handelskonzern 7000 Vollzeitarbeitsplätze einsparen. Das sind etwa 15 Prozent der 52 000 auf Vollzeitstellen hochgerechneten Arbeitsplätze, die es in den 189 Warenhäusern derzeit gibt. Rund 4000 Stellen sollen im Verkauf, der Rest in Verwaltung, Organisation und Logistik eingespart werden. Insgesamt werden deutlich mehr als 7000 Mitarbeiter betroffen sein, da viele in Teilzeit arbeiten. Etwa 10 000 Warenhaus-Mitarbeiter müssen in den kommenden Monaten um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Der Karstadt-Quelle-Konzern setzt einen Umstrukturierungsprozess in Gang, den der Wettbewerber Kaufhof schon vollzogen hat. Der Kaufhof-Konzern baute bereits in den vergangenen Jahren Personal ab, durch eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitspläne und Arbeitszeitmodelle - und machte aus weniger mehr: Im Jahr 1999 entfiel auf einen Kaufhof-Mitarbeiter umgerechnet ein Umsatz von 349 000 Mark, bei den Karstadt-Mitarbeitern lag die Leistung pro Kopf etwa 50 000 Mark niedriger.

Probleme bereiten Karstadt vor allem die kleineren Warenhäuser mit weniger als 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Schließungen von nicht wettbewerbsfähigen Filialen sind nicht ausgeschlossen. "Für die kleinen Häuser gibt es noch kein Konzept", sagt Catrin Krüger von der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) in Berlin. In Berlin betrifft das die Hertie-Kaufhäuser in der Hauptstraße, der Turmstraße und in Neukölln. 9500 Mitarbeiter arbeiten insgesamt für Karstadt-Warenhäuser in Berlin, wenigstens 1000 müssen nun um ihre Stelle fürchten, sagt Krüger.

Derzeit verhandelt der Gesamtbetriebsrat mit der Konzernleitung über ein von den Arbeitnehmervertretern vorgelegtes Beschäftigungssicherungskonzept. Der Gesamtbetriebsrat fordert laut dem Berliner HBV-Chef Manfred Birkhahn: Keine Schließung von Warenhäusern, keine betriebsbedingten Kündigungen und eine Streckung der geplanten Maßnahmen über einen längeren Zeitraum.

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