Wirtschaft : Übernahme: RWE kauft Amerikas größtes Wasserwerk

Knapp eine Woche nach der Terrorserie in den USA hat der Essener Energieriese RWE mit der Ankündigung der Übernahme des größten US-Wasserversorgers American Water Works ein Zeichen gesetzt. Der Zehn-Milliarden-Mark-Coup des Essener Unternehmen ist die erste große Übernahme nach den schrecklichen Ereignissen in New York und damit auch ein Symbol des ungebrochenen Vertrauens der Industrie in den US-Markt. "Wir haben großes Vertrauen in den US-Markt auch nach dem Terroranschlag", begründete denn auch RWE-Finanzchef Klaus Sturany bei einer Telefonkonferenz am Montagmorgen das Geschäft. "Deshalb sind wir stolz, dass RWE größter Wasseranbieter in den USA wird." Gerade jetzt sei es wichtig, der Welt zu zeigen, dass der Konzern in den USA investiere. Das Geschäft sei bereits in der vergangenen Woche vereinbart worden, die Bekanntgabe aber wegen des Terroranschlags verschoben worden.

RWE will für das größte an der New Yorker Börse notierte Wasserunternehmen der USA einen Kaufpreis von 9,7 Milliarden Mark (fünf Milliarden Euro) zahlen. Außerdem wird der Essener Konzern Verbindlichkeiten in Höhe von 3,2 Milliarden Euro übernehmen. RWE-Chef Dietmar Kuhnt zeigte sich stolz über die Vereinbarung mit dem US-Konzern: "Wir haben die Chance, ein erstklassig geführtes Unternehmen zu erwerben und mit einem Schlag die Nummer eins auf dem US-Wassermarkt zu werden, dem größten und dynamischsten der Welt." American-Water-Chef James Barr betonte, aus der Kombination der Unternehmen werde "eine neue schlagkräftige Kraft im globalen Wassermarkt entstehen". Der Essener Stromkonzern hat in den vergangenen Jahren begonnen seine internationale Präsenz in den Kerngeschäftsfeldern Strom, Gas, Wasser und Entsorgung systematisch auszubauen. Dabei gilt vor allem dem internationalen Wassergeschäft das Augenmerk von Konzernchef Kuhnt. Denn es gilt als besonders lukrativ und wachstumsstark.

Franzosen an der Spitze

Durch die Übernahme des britischen Versorgers Thames Water rangiert RWE weltweit bereits auf dem dritten Rang unter den globalen Wasserversorgern. Allerdings weit abgeschlagen hinter den beiden französischen Konzernen Suez Lyonnaise des Eaux und Vivendi, die jeweils etwa 100 Millionen Kunden weltweit versorgen. Die Übernahme in den USA bringt RWE jetzt den französischen Konkurrenten ein großes Stück näher. Künftig wird der Essener Konzern über seine Londoner Tochter insgesamt 56 Millionen Kunden weltweit Wasser liefern. Wichtiger noch: auf dem als besonders attraktiv und dynamisch geltenden US-Markt hat RWE nach eigener Einschätzung nun die kritische Masse erreicht, um bei der dort bevorstehenden Konsolidierung eine wichtige Rolle zu spielen.

Der amerikanische Markt ist mit etwa 54 000 Wasserversorgern stark zersplittert. Hier dürfte in den kommenden Jahren ein dramatischer Konzentrationsprozess in Gang kommen. Und RWE will dabei offensichtlich die Rolle des Hechts im Karpfenteich spielen. Sturany jedenfalls betonte, der Konzern wolle in den USA weiter wachsen, sowohl organisch als auch durch Akquisitionen. Die Börse allerdings zeigte sich deutlich nervös. Die RWE-Aktie schwankte nach Bekanntgabe der US-Expansionspläne stark und verlor zeitweise mehr als fünf Prozent.

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