Übernahme : SAP-Zukauf zeigt Kurswechsel

Mit der Übernahme von Business Objects verlässt SAP seine bisherige Geschäftsstrategie. Galt bisher "Wachsen aus eigener Kraft", so wird jetzt zugekauft. Doch der Brocken wiegt schwer. Die Franzosen gaben kurz nach der Bekanntgabe der Übernahme eine Gewinnwarnung heraus.

Bernd Glebe

WalldorfDie Softwarekonzern SAP greift zu einem radikalen Kurswechsel. Wachstum aus eigener Kraft und nicht durch milliardenschwere Zukäufe, lautete über Generationen von Vorstandschefs die Unternehmensmaxime in Walldorf. Doch nun kauft SAP für 4,8 Milliarden Euro das französische Softwarehaus Business Objects. Die Akquisition ist der größte Zukauf in der 35-jährigen Unternehmensgeschichte.

Der Kauf des Spezialisten für Analysesoftware bedeutet nicht nur eine Abkehr von der SAP-Philosophie. Die Softwareschmiede legt damit das Geschäftsgebaren an den Tag, das die Walldorfer ihrem Erzrivalen Oracle immer wieder vorgeworfen haben: Erfolg zu erkaufen statt zu erwirtschaften.

Noch im September erklärte SAP-Chef Henning Kagermann: "Die Frage ist doch, warum wir eine Großakquisition brauchen sollten. Wir gewinnen wieder Marktanteile und das, ohne 25 Milliarden Dollar für Zukäufe auszugeben. Wir verspüren keinen Zwang." Ob sich die Walldorfer nun als Umfaller bezeichnen lassen müssen oder einfach die Zeichen der Zeit erkannt haben, werden die nächsten Monate zeigen.

Oracle macht Druck mit Zukäufen

Fakt ist, dass SAP den heißen Atem von Oracle seit langem im Nacken spürt und handeln muss. Der Chef des US-Konzerns, Milliardär Larry Ellison, investierte in den vergangenen drei Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar (rund 15 Mrd Euro) für zwei Dutzend Firmen. Damit rückte das Unternehmen aus Redwood Shores in Kalifornien auf Platz zwei im Markt für Unternehmenssoftware vor.

SAP hat zwar bereits Weichen gestellt, um seine Spitzenposition zu verteidigen: Bislang war das Softwarehaus fast ausschließlich im Großkundengeschäft unterwegs. Bei den internationalen Konzern haben die Walldorfer aber bereits nahezu den gesamten Markt ausgereizt. Mit einer im September gestarteten Mittelstandsoffensive will das Dax-Unternehmen nun neue Felder erschließen.

Mittelstand ist schwieriges Geschäftsfeld

Bis zu 400 Millionen Euro investiert SAP bis Ende 2008 in den Aufbau des neuen Geschäftsfeldes. Bis zum Jahr 2010 will SAP die Kundenzahl auf diesem Weg auf 100.000 erhöhen. Alleine in Deutschland und den USA hat SAP einen Markt von rund 60.000 Firmen im Visier. Experten halten die Ziele jedoch für ambitioniert. Der Chef des britischen Softwareherstellers Sage, Paul Walker, prognostiziert keine große Erfolgsgeschichte: "Fabelhafte Produkte, aber sie passen nicht wirklich für mittelständische Firmen."

Mit Business Objects stellt sich SAP für seine potenziellen Kunden nun noch breiter auf. Das französische Unternehmen bietet sogenannte Business Intelligence an. Diese Software bereitet Managern Informationen über die Geschäftslage auf und soll so dazu beitragen, Entscheidungen schneller treffen zu können. Diese Lösungen zur strategischen Unternehmenssteuerung hat SAP bislang nicht im Angebot. Der Markt dafür boomt jedoch.

Gewinnwarnung bei Business Objects

Der Start der deutsch-französischen Zusammenarbeit stand derweil unter keinem guten Stern: Kurz nach Verkündung des geplanten Milliardendeals am Sonntagabend gab das Pariser Softwarehaus eine Umsatz- und Gewinnwarnung heraus. Der Kurs von SAP stürzte daraufhin heftig um 5,28 Prozent auf 39,43 Euro ab und die Aktie war Schlusslicht im Dax. Dazu kam die Einschätzung von Händlern, der Kauf sei ein Eingeständnis, dass SAP mit den eigenen Vertriebspartnern nicht zurechtkomme.

Für Kagermann dürften die Integration von Business Objects und der Aufbau des Mittelstandsgeschäfts wohl die letzten großen Aufgaben in seiner Karriere sein. Bis Mai 2009 läuft der Vertrag des 60-jährigen habilitierte Physikers. Kurz davor, am 9. Februar 2009, startet der Prozess um die Industriespionagevorwürfe von Oracle. Auch in der Affäre hatte Kagermann im Laufe der Zeit seinen Standpunkt verändert: Erst nach Wochen des Leugnens wurde eingeräumt, dass SAP über eine Tochter auf Webseiten des Konkurrenten zugegriffen hatte, der Vorwurf der Industriespionage wird aber zurückgewiesen. (mit dpa)

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