Übernahme : Teure Schokolade: US-Konzern kauft Cadbury

US-Konzern Kraft zahlt 13 Milliarden Euro für britischen Hersteller Cadbury

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London/New York - Nach einer monatelangen Übernahmeschlacht kann der US-Nahrungsmittelriese Kraft den britischen Süßwarenhersteller Cadbury doch noch schlucken. Die Amerikaner verbesserten ihr Angebot um rund eine Milliarde auf 11,5 Milliarden Pfund (umgerechnet 13,1 Milliarden Euro). Jede Cadbury-Aktie ist Kraft nun 840 Pence wert – 500 Pence kommen in bar, der Rest in Kraft-Aktien. Zudem sollen Cadbury-Aktionäre zehn Pence je Papier über eine Sonderdividende erhalten. Das abschließende Angebot entspricht dem dreizehnfachen Wert des Geschäftsergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von Cadbury aus dem vergangenen Jahr.

Das Angebot stelle einen guten Wert für die Cadbury-Aktionäre dar, sagte Cadbury-Verwaltungsratschef Roger Carr. Kraft werde 265 Millionen neue Aktien ausgeben, um die Offerte zu finanzieren.

Das Management des Schokoladenfabrikanten habe dieser Offerte zugestimmt, teilte Kraft am Dienstag mit. Gemeinsam können Kraft und Cadbury nun zum Weltmarktführer bei Lebensmitteln, Nestlé, aufschließen.

   Segnen die Cadbury-Aktionäre das Milliardengeschäft ab, wofür sie bis zum 2. Februar Zeit haben, wäre nicht nur der seit rund einem halben Jahr laufende Übernahmepoker beendet, sondern auch die fast 200-jährige unabhängige Geschichte des britischen Schokoladenproduzenten.

Cadbury hatte das bisherige feindliche Angebot von rund 10,4 Milliarden Pfund als „lächerlich“ zurückgewiesen und sich vehement gegen eine Übernahme gestemmt. Britische Gewerkschaften fürchten, dass weltweit 1000 der etwa 45 000 Jobs bei Cadbury wegfallen.

Kraft-Chefin Irene Rosenfeld betonte jedoch, „großen Respekt vor Cadburys Marken, Erbe und Mitarbeitern“ zu haben. Der britische Premierminister Gordon Brown sagte, die Regierung sei entschlossen, Jobs zu sichern.

Cadburys Geschichte geht bis zum Jahr 1824 zurück. Die Firma ist der bekannteste Süßwarenproduzent Großbritanniens. Sie stellt Dairy-Schokolade und auch Kaugummi der Marke Trident her. Zu Kraft gehören unter anderem Milka- und Toblerone-Schokolade, Philadelphia-Käse und Jacobs-Kaffee. Sollte der Zusammenschluss gelingen, muss Cadbury auf Druck der EU-Wettbewerbshüter einen Teil des Schokoladengeschäfts in Osteuropa verkaufen, um nicht übermächtig zu werden. Gemeinsam würden Kraft und Cadbury auf einen Umsatz von umgerechnet etwa 50 Milliarden Dollar kommen.

In den Übernahmekampf hatten sich im Laufe der Monate gleich mehrere andere Lebensmittelkonzerne eingemischt. So hatten auch die direkten Konkurrenten Hershey aus den USA und Ferrero aus Italien Interesse an Cadbury angemeldet. Die Finanzierung stellte sich jedoch als Problem heraus.

Um die Übernahme stemmen zu können, verkauft Kraft vor wenigen Wochen sein Geschäft mit Tiefkühlpizzen – ausgerechnet an den Schweizer Rivalen Nestlé.

Widerstand droht allerdings noch vom Kraft-Hauptaktionär Berkshire Hathaway mit Investorenlegende Warren Buffett an der Spitze. Der fürchtet, dass Kraft zu viel Geld für die Briten auf den Tisch legt und kündigte deshalb vor kurzem an, die Übernahme nicht mittragen zu wollen. Die Cadbury-Aktie stieg am Dienstag in London um 3,7 Prozent.dpa/rtr

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