Wirtschaft : Übernahmeangebot: Die Zukunft ist regional

Daniel Rhee-Piening

Die Berliner Volksbank, vor nicht allzu langer Zeit noch mit der Sicherung des eigenen Überlebens beschäftigt, interessiert sich für die Berliner Bank. Filialen und Mitarbeiter dieses privatrechtlichen Teils der Bankgesellschaft sollen übernommen werden. Was auf den ersten Blick ein wenig nach Hybris aussieht, könnte wirtschaftlich durchaus Sinn machen. Die Schieflage des genossenschaftlichen Instituts beruhte zu einem großen Teil auf Fehlentscheidungen im Immobiliengeschäft; nun aber geht es um das Geschäft mit den Privat- und kleineren Gewerbekunden. Die Berliner Volksbank hat die notwendige Erfahrung darin und sie hat bei der Fusion mit der Grundkreditbank/Köpenicker Bank gezeigt, wie sich das Zusammenwachsen erfolgreich bewerkstelligen lässt. Die Standorte der Filialen beider Banken und die Kundenstruktur ergänzen sich in weiten Teilen. Den Beschäftigten der Berliner Bank dürfte ein solcher Vorschlag gelegen kommen. Ihre Arbeitsplätze werden erhalten, und sie bleiben in einem privatrechtlich geführten Institut.

Auch dem Bankenplatz Berlin könnte ein solcher Zusammenschluss gut tun. Die Hauptstadt bekäme eine starke Regionalbank, deren Führung in der Stadt sitzt und die Besonderheiten des Marktes kennt. Das sind im Übrigen Ziele, die von Finanzsenatoren auch immer wieder für die Bankgesellschaft formuliert wurden. Und doch dürfte ein Verkauf dem amtierenden Finanzsenator nicht leicht fallen, würde er doch die Zerschlagung der Bankgesellschaft bedeuten. Aber ist die Zerschlagung nicht längst beschlossen? Mit der Übernahme der Garantien für das Alt-Immobiliengeschäft der Bankgesellschaft durch das Land, ist dieser Teil aus dem Konzern de facto herausgelöst. Über einen Verkauf von Weberbank und Allbank wird laut nachgedacht. Stimmt also das Angebot der Volksbank, sollte der Finanzsenator die Gelegenheit nutzen.

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