Wirtschaft : Übernahmegerücht treibt Stada-Kurs

Pharma-Discounter dementiert Verkaufspläne – und arbeitet angeblich an Verteidigungsstrategie

Maren Peters

Berlin - Spekulationen über eine milliardenschwere Übernahme des Pharma-Discounters Stada haben die Fantasie der Börse am Freitag beflügelt. Der Kurs der im M-Dax notierten Stada-Aktie stieg zeitweise um mehr als 18 Prozent. Stada selbst wies das Gerücht umgehend zurück. „Diese Berichte sind falsch und entbehren jeder Grundlage“, teilte der weltweit drittgrößte Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) am Freitag mit. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, Stada suche einen Käufer. Als wahrscheinlicher Kandidat wurde der israelische Konkurrent Teva genannt.

In Zusammenhang mit Stada hatte es immer wieder Übernahmegerüchte gegeben, die das Unternehmen aber stets dementiert hatte. Unternehmen wie Teva, Sanofi-Aventis oder Johnson&Johnson wollen im Generikamarkt expandieren. Der Druck in der Branche ist gewachsen, seit der Schweizer Pharmakonzern Novartis im Februar den deutschen Pharma-Aldi Hexal übernommen hat und damit Teva als Nummer eins der Branche verdrängte.

Die Wachstumsraten im Weltmarkt für Generika liegen nach Einschätzung der Unternehmensberatung Bain&Company bei 13 Prozent jährlich und damit deutlich höher als in der Pharmabranche insgesamt. Das liegt zum Einen am zunehmenden Kostendruck im Arzneimittelmarkt, der dazu führt, dass mehr billige Kopien von Originalmedikamenten nachgefragt werden, zum Anderen an zahlreichen auslaufenden Patenten für die Originalpräparate. Den Gesamtumsatz mit Medikamenten, die bis 2015 ihren Patentschutz verlieren, geben Analysten mit 318 Milliarden Dollar an.

„Es gibt einige Unternehmen, die expandieren wollen, aber nicht mehr viele Übernahmekandidaten“, sagte Pharmaanalyst Carsten Kunold von Merck & Finck. Das Familienunternehmen Ratiopharm gilt wegen der Eigentümerstruktur nicht als Übernahmekandidat, Stada dafür um so mehr, da 100 Prozent der Aktien in Streubesitz sind. Der mögliche Kaufpreis von zwei Milliarden Euro entspreche dem knapp 2,5-fachen Umsatz des Geschäftsjahres 2004 und liege damit im branchenüblichen Rahmen, hieß es am Freitag bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Auf Basis des geschätzten Umsatzes 2005 entspreche dies dem zweifachen Umsatz.

Im vergangenen Jahr hatte Stada einen Umsatz von 813,5 Millionen Euro verbucht, der Gewinn lag bei 48,5 Millionen Euro. Auch im laufenden Jahr rechnet der Generikahersteller aus Bad Vilbel Umsatz und Gewinn zweistellig steigern.

Der israelische Konkurrent Teva ist schon länger auf Einkaufstour und gilt schon daher als wahrscheinlicher Kandidat für Übernahmen. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen mit rund 13 000 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp fünf Milliarden Dollar und gehört damit zu den 25 größten Pharmaunternehmen der Welt.

Doch so einfach ist die Übernahme im Fall von Stada offenbar nicht. Nach Informationen des „Handelsblatts“ arbeitet Stada intensiv an einer Verteidigungsstrategie gegen feindliche Übernahmen. Der Generikakonzern prüfe derzeit, an welche Investmentbanken und Anwaltskanzleien entsprechende Mandate vergeben werden könnten, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Kanzleien und Banken seien bereits eingeladen worden, sich zu bewerben. Stada wollte das am Freitag nicht kommentieren. mit HB

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