Wirtschaft : Übernahmegerüchte treiben die Telekom-Aktie zum Höhenflug

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Noch sind es nur Spekulationen, konkrete Geschäfte lassen auf sich warten - Die Kasse der Telekom ist gut gefülltvis

Immer wieder neue Übernahmegerüchte treiben den Kurs der T-Aktie. Das Papier der Deutschen Telekom überstieg am vergangenen Freitag erstmals die Marke von 100 Euro, am Montag schloss der Anteilsschein bei 103,50 Euro. Zwar nimmt die Telekom offiziell niemals Stellung zu Gerüchten. Doch ist sie auch nicht ganz unschuldig daran, dass Spekulationen den Kurs auf immer neue Höhen treiben.

Zur Zeit sind als Kaufkanditaten das Debis Systemhaus und die amerikanische Ferngesprächsgesellschaft Qwest im Gespräch. Qwest hat in der Nacht zum Montag bestätigt, dass es "Diskussionen mit einer bedeutenden Telekommunikationsgesellschaft über einen möglichen Aufkauf von Qwest und der US West Inc. geführt hat". Qwest nannte jedoch in seiner kurzen Pressemitteilung keine Namen. Die US-Medien und die Wall Street gehen davon aus, dass es sich bei dem Interessenten um die Deutsche Telekom handelt.

Telekom-Chef Ron Sommer verspricht seinen Aktionären seit Monaten, aus dem deutschen Telekomkonzern ein globales Unternehmen zu machen. Zuletzt kaufte er in Frankreich den Online-Dienst Club Internet - doch die großen, überzeugenden Akquisitionen fehlen bislang. Nach dem Kauf der britischen Mobilfunkgesellschaft One-2-One im vergangenen Jahr gab es keine Neuerwerbung, die die Telekom auf ihren Weg zum "global player" entscheidend voran gebracht hätte. Wenn man alle Beteiligungen der Telekom im Ausland hinzuzieht, erwirtschaftet der Konzern nicht ganz 20 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands. Zu wenig für einen Weltkonzern.

Es reiche nicht, immer wieder zu sagen, man wolle kaufen, sagt Analyst André Buse von der Hamburgischen Landesbank. Irgendwann müsse auch etwas passieren, sonst verliere die Telekom ihre Glaubwürdigkeit. "Ein Unternehmen wird daran gemessen, was es umsetzt und nicht daran, was es ankündigt", sagt Buse. Wenn die Telekom global mitspielen wolle, komme sie am amerikanischen Markt nicht vorbei. Allerdings dürfe sie auch Europa nicht aus den Augen verlieren. Mit Beteiligungen in Österreich, Osteuropa und dem Erwerb von One-2-One sei es noch nicht getan.

Dabei sind die Kassen des Bonner Konzerns gut gefüllt. Der Ausstieg aus der Telekom-Allianz Global One mit France Télécom und Sprint und der Verkauf der Sprint-Anteile werde der Telekom noch im ersten Quartal Nettobuchgewinne von 8,2 Milliarden Dollar einbringen, sagt Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Hinzu kommt der Erlös aus dem Verkauf des Kabelnetzes, später im Jahr noch die Börsengänge der Tochtergesellschaften T-Online und T-Mobil. Die Börsengänge bringen auch eine zusätzliche Akquisitionswährung: Aktien. Die Telekom will sich zudem von ihrer zweiprozentigen Beteiligung an France Télécom trennen. Sie werde auch keine Schwierigkeiten haben, neue Schulden in Höhe von zweistelligen Milliardenbeträgen aufzunehmen, sagt Hallmann. Der Telekom stehe eine enorme Manövriermasse zur Verfügung, sie könne in kurzer Zeit sehr flexibel reagieren.

Die US-Gesellschaft Qwest könne für die Telekom ein hervorragender Einstieg in den US-Markt sein, sagt Hallmann. Qwest, das viertgrößte amerikanische Ferngesprächsunternehmen, habe landesweit ein hochleistungsfähiges Glasfaserkabelnetz. Qwest hat allerdings bereits die Fusion mit der regionalen Telefongesellschaft US West beschlossen. "US-West passt jedoch nicht so gut in die Strategie der Telekom", sagt Hallmann. Doch: "Das ideale Unternehmen wird man möglicherweise nicht finden. Es kommt darauf an, wo man jetzt schnell zum Zuge kommt." Qwest habe eine sehr überschaubare Eigentümerstruktur, das mache die Verhandlungen einfacher. Größter Qwest-Aktionär ist Philip Anschutz. Der hat sich laut Qwest für eine Transaktion mit der "wichtigen Telefongesellschaft" ausgesprochen. Weitere Übernahmekandidaten in Nordamerika sind SBC Ameritech, die größte regionale Telefongesellschaft der USA, und Global Crossing. Das Unternehmen baut gerade ein weltumspannendes Kabelnetz auf. Auch hier gibt es einen Mehrheitsaktionär. Aber Global Crossing habe gerade für viel Geld eine Verlegeflotte für Tiefseekabel gekauft, "Nebenaktivitäten, die für die Telekom nicht interessant sind", sagt Hallmann.

In Europa drängt die Telekom vor allem der Mobilfunkmarkt zum Handeln. Hier werden in den kommenden Monaten die Lizenzen für die neue Mobilfunkgeneration UMTS vergeben. UMTS macht schnellen mobilen Datenverkehr möglich. "Die Telekom kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen", sagt Hallmann. "In Europa sollte sie ihren Schwerpunkt im Mobilfunk setzen." Mit den neuen Lizenzen können neue Märkte erschlossen werden. Doch die Lizenzen und der Aufbau der Netze kosten enorme Summen. Die Telekom könnte dazu Gemeinschaftsunternehmen mit den Mobilfunktöchtern von Telecom Italia und der spanischen Telefónica gründen, sagt Hallmann. Das spare Geld und die Telekom könne auf die Kundenbasis der Partner zurückgreifen.

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