Übernahmekampf : Absetzung von Conti-Chef könnte an Formalien scheitern

Im Machtkampf zwischen Continental und der Schaeffler-Gruppe gerät der umstrittene Conti-Aufsichtsratschef und Schaeffler-Berater Rolf Koerfer immer stärker unter Druck

Altkanzler Gerhard Schröder habe als Garant der Investorenvereinbarung Koerfer ein Ultimatum gestellt, berichtete das Handelsblatt. Bis Montag müsse der Chefaufseher alle offenen Fragen zum versuchten Sturz des Conti-Chefs Karl-Thomas Neumann beantworten. Aufsichtsratsmitglied Werner Bischoff bestätigte, dass es eine solche Frist gebe.

In der Aufsichtsratsitzumg am 30. Juli hatte Schaeffler versucht, Neumann abzulösen, war aber am Widerstand der Arbeitnehmerseite gescheitert. Die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit für eine Ablösung Neumanns kam nicht zustande. Neumann soll nun bei einer erneuten Krisensitzung des Kontrollgremiums am kommenden Mittwoch abberufen werden. Schröder lässt nun rechtlich prüfen, ob der Großaktionär dadurch die Investorenvereinbarung gebrochen hat. In dieser hatte Schaeffler unter anderem zugesagt, keine Änderungen in der Zusammensetzung des Conti-Vorstands vorzunehmen oder zu veranlassen.

Dem Handelsblatt zufolge kommt der von Schröder berufene Jurist zu dem Ergebnis, dass die Schaeffler-Vertreter Neumann nach der Investorenvereinbarung nicht abberufen durften. Die Sitzung habe rechtlich damit gar nicht stattgefundenen. Aus diesem Grund würde die für Mittwoch geplante Sitzung als erster Wahlgang gelten und damit sei wieder die Zwei-Drittel-Mehrheit statt der einfachen Mehrheit nötig. Schaeffler will seinen Manager Elmar Degenhart als neuen Conti-Chef einsetzen.

Neumanns Vorgänger Manfred Wennemer forderte im Nachrichtenmagazin Spiegel, einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu bestimmen. Dieser müsse kompetent, unabhängig und allseits geachtet sein. Es liege nun an den Aufsichtsräten, das Allerschlimmste zu verhindern, sagte Wennemer. Er hoffe, dass sie sich nicht zu Stimmgebern für die Familie Schaeffler degradieren lassen.

Die Conti-Betriebsräte stellten sich hinter Neumann. Er genieße das vollste Vertrauen und sei der beste Garant für den Erfolg des Unternehmens, heißt es in einem Brief an die Vertreter der Anteilseigner. Das Vorgehen Schaefflers wecke "erneut die große Besorgnis, dass letztlich einseitige Interessen zu Lasten der Continental verfolgt werden."

Auch die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat wolle weiter an Neumann festhalten, sagte Bischoff. "Ich gehe mal davon aus, dass wir eine Lösung finden. Sonst haben wir ein weiteres Problem." Er zeigte sich zuversichtlich, dass bis Mittwoch ein Kompromiss gefunden werde. "Man redet miteinander. Es sind noch ein paar Tage Zeit, an denen man viel schaffen kann."

Unterdessen ruderte der Großaktionär im Streit um den künftigen Konzernsitz von Continental zurück. Wo der Automobilzulieferer aus Hannover nach der möglichen Verschmelzung mit dem kleineren Wettbewerber aus dem fränkischen Herzogenaurach seinen Sitze habe, sei nicht kriegsentscheidend, sagte ein der Schaeffler-Gruppe zuzurechnendes Aufsichtsratsmitglied der WirtschaftsWoche. Das sei letztlich egal.

Der Familienkonzern Schaeffler hatte sich mit der Übernahme von Continental im Zuge der Finanzkrise verhoben. Nun gelten beide Unternehmen als zu hoch verschuldet, die Banken fürchten aber Abschreibungen und halten daher still. Der Betriebsrat von Conti befürchtet nach Neumanns Abgang ein Ausbluten von Conti: "Es soll womöglich gerade personell der Weg freigemacht werden, die Schuldenlast ungehindert per Kopie des Heuschreckenmodells abtragen zu können - also den Continental-Konzern zu zerschlagen und Filetstück nach Filetstück zu verwerten."

Schaeffler hält knapp die Hälfte der Conti-Aktien, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt. Das Familienunternehmen war wegen des Erwerbs der Mehrheit an Conti in eine finanzielle Schieflage geraten. Continental und Schaeffler verhandeln seit Monaten über die Zukunft der beiden hoch verschuldeten Konzerne.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, aku

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