Übernahmekampf : Eon will Fusion mit Endesa abschließen

Nach der Erhöhung seines Übernahmeangebots hofft Eon, die geplante Fusion mit dem spanischen Energieversorger Endesa bis Mitte April abzuschließen. Bislang wehrt sich noch der größte Endesa-Aktionär.

Madrid/Düsseldorf - "Der Preis ist für unsere Aktionäre nicht zu hoch und für die Aktionäre von Endesa sehr attraktiv", sagte Eon-Chef Wulf Bernotat. Sein Unternehmen hatte am Freitagabend das Übernahmeangebot für den spanischen Energieversorger nochmals erhöht. Die spanische Börsenaufsicht gab bekannt, dass Eon nunmehr 38,75 Euro pro Aktie zahlen will, womit sich das Gesamtgebot auf über 41 Milliarden Euro erhöht. Zuvor hatte das Angebot bei 34,50 Euro pro Anteilsschein gelegen.

Der Preis liegt damit unter dem Schlusskurs der Endesa-Aktie am Freitag, ist nach Angaben Bernotats allerdings höher als der durchschnittliche Kurs an den zehn vergangenen Handelstagen. Mit der neuen Offerte kommt Eon der Mega-Fusion näher, die zur Gründung des größten Energiekonzerns der Welt führen würde. Das Übernahmeangebot, das bis zum 26. Februar läuft, gilt nur für den Fall, dass Eon mehr als 50 Prozent des Aktienkapitals von Endesa zusammenbekommt. Der Übernahmepoker zieht sich bereits seit dem Februar 2006 hin. Eine neue Etappe wurde in dieser Woche erreicht, als der Energiekonzern Gas Natural am Donnerstagabend seine konkurrierende Offerte für Endesa zurückzog.

Endesa-Aktionär Acciona wehrt sich weiter gegen die Übernahme

Bislang wehrt sich noch der größte Endesa-Aktionär Acciona gegen die Übernahme durch Eon. Das Unternehmen ist im Besitz von 21,03 Prozent der Endesa-Anteile. Eine Unternehmenssprecherin sagte in der Nacht zum Samstag, der Konzern habe weiter die "Absicht, die Unabhängigkeit von Endesa zu verteidigen". Acciona werde von diesem Willen nur abweichen, wenn Eon den Plan zum Erwerb von mehr als 50 Prozent erfolgreich umsetze. "Minderheitsaktionär einer deutschen Konzern-Filiale will Acciona nicht sein", fügte die Sprecherin hinzu.

Entscheidend für Eon wird nun der Beginn der neuen Woche. Am Montag wollte der Verwaltungsrat des zweitgrößten Endesa-Anteilseigners, der spanischen Bank Caja Madrid, zusammenkommen, um über das Angebot zu beraten. Die Tageszeitung "Expansión" berichtete am Samstag, die Mitglieder würden zweifellos einem Verkauf zustimmen - damit allerdings bis zum letzten Moment warten. Am Dienstag sollte zudem der Verwaltungsrat von Endesa tagen, um sich zu dem Übernahmeangebot zu äußern. Endesa-Chef Manuel Pizarro kündigte im Vorfeld an, sein Unternehmen werde hart für einen fairen Preis kämpfen.

Eon-Endesa wäre nach Börsenwert der größte Energiekonzern der Welt

Der Verwaltungsrat von Gas Natural hatte am Donnerstagabend einstimmig beschlossen, die konkurrierende Offerte für Endesa zurückzuziehen. Mit der von der spanischen Regierung unterstützten Fusion sollte ein großer nationaler Energieversorger geschaffen werden. Die Regierung in Madrid hatte sich zunächst vehement gegen die Pläne von Eon gestellt. Die Regulierungsbehörde hatte die Fusion daraufhin an 19 Auflagen geknüpft. Auf Drängen der EU-Kommission ließ die Behörde die meisten Auflagen wieder fallen.

Sollten sich Eon und Endesa am Ende tatsächlich zusammenschließen, entstünde der nach dem Börsenwert größte Energiekonzern der Welt. Er wäre deutlich größer als die bisherige Nummer eins, die französische EDF. Der neue Konzern wäre in allen wichtigen europäischen Märkten vertreten, außerdem auf dem lateinamerikanischen Markt. (tso/AFP)

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