Übernahmekampf : Schaeffler schließt Kompromiss mit Conti

Die Franken opfern ihren mächtigsten Vertrauensmann: Damit Conti-Chef Neumann endlich abtritt, muss nun offenbar auch Chefkontrolleur Koerfer seinen Posten räumen,

Eine weitere Kampfabstimmung wird es nicht geben: Bereits vor der Continental-Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch haben sich sowohl der niedersächsische Reifenfabrikant als auch der Wälzlagerhersteller Schaeffler aus Franken auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach wird Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann wie von den Schaefflers gewünscht abberufen. Zugleich aber soll deren Berater Rolf Koerfer ebenfalls mittelfristig seinen Posten als Conti-Aufsichtsratschef abgeben, weiterhin aber als einfaches Mitglied in dem Kontrollgremium bleiben.

Offenbar ist die endgültige Entscheidung noch nicht gefällt worden – laut Insidern gebe es noch "viele Unsicherheiten" –, doch die Nachfolger für die beiden Chefs stehen wohl schon fest. So soll der Vorstandsvorsitzende des Industriegase-Konzerns Linde, der frühere Auto-Manager Wolfgang Reitzle, Koerfer nachfolgen, und der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart an die Spitze von Conti wechseln.

Damit die Machtfülle der Franken in Hannover aber nicht zu groß wird, soll laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) der gesamte Conti-Vorstand wieder von drei auf fünf Mitglieder erweitert werden. Die neuen Vorstände sollen nicht aus der Schaeffler-Ecke stammen und dadurch den Gewerkschaften als "Korrektiv" für Degenhart dienen, der als Vertrauter des Schaeffler-Geschäftsführers Jürgen Geißinger gilt.

Mithilfe Degenharts will Schaeffler versuchen, die geplante Conti-Kapitalerhöhung weiter hinauszuzögern. Deren Vorbereitung hatte Neumann noch durchgedrückt. "Es ist in jedem Fall wahrscheinlich, dass die Kapitalerhöhung später wieder kassiert wird", sagte ein Vertreter der Banken, die wie die Politik ebenfalls an den Verhandlungen teilnehmen. Schaeffler wehrt sich deshalb gegen die Kapitalerhöhung und damit gegen die Ausgabe neuer Conti-Aktien, da das den Anteil der Franken an dem hannoverschen Autozulieferer verwässern würde. Durch die Ausgabe neuer Aktien für bis zu 1,5 Milliarden Euro – mit denen Conti seine Finanzierung auf neue Beine stellen würde – würde Schaefflers Anteil auf jetzt insgesamt 90 Prozent auf dann 66 Prozent sinken.

Neumann war mit dieser bei Schaeffler als Vertrauensbruch empfundene Attacke bei dem Großaktionär in Ungnade gefallen. Doch wann Neumann tatsächlich abtritt, ist offenbar immer noch Gegenstand der Verhandlungen. "Es könnte darauf hinauslaufen, dass Neumann nicht gleich, sondern erst in einem halben Jahr geht", sagte ein Insider. Ein anderer sagte allerdings mit Blick auf den designierten Conti-Chef Degenhart: "Er wird sofort kommen." Endgültige Entscheidungen seien vor Mittwoch nicht zu erwarten, hieß es. Dann trifft sich der Conti-Aufsichtsrat, um über Neumanns Zukunft zu beraten. "An dem Kompromiss muss noch viel gefeilt werden", sagte ein Conti-Aufsichtsrat. "Aber es wird wohl einen Kompromiss geben."

Damit soll die kommende Sitzung des Aufsichtsrats ganz anders verlaufen als die vorherige, als es zu einem Eklat gekommen war: Mit ihrem Coup zur Absetzung Neumanns waren die Schaefflers am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert. Sie hatten den Franken die nötige Zweidrittelmehrheit verweigert. Seitdem steht auch Aufsichtsratschef Koerfer in der Kritik, vor allem wegen der Vorbereitung und Leitung der Sitzung. Vor allem von Gewerkschaftsseite wird ihm zudem vorgeworfen, nicht unabhängig zum Wohle Contis zu entscheiden, sondern zu stark die Interessen Schaefflers durchzusetzen.

Fraglich sei aber die Position des Conti-Finanzvorstands, hieß es. Der Wunsch der Schaeffler-Gruppe, ihren Finanzchef Klaus Rosenfeld zum neuen Conti-Finanzvorstand zu machen, sei umstritten. Bislang hatte Neumann den Bereich mitverantwortet.

Abseits der Personalien liegen die Zukunftskonzepte beider Unternehmen nicht weit auseinander, wie es in Industriekreisen hieß. Demnach sehen die Konzepte eine Fusion beider Konzerne vor, eine neue Holding wird gegründet. Unter dem Dach dieser Holding stünden dann die vereinten Automotive-Sparten von Schaeffler und Conti, das Conti-Reifengeschäft sowie das Industriegeschäft von Schaeffler.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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