Wirtschaft : Übernahmen und Affären

Die Deutschland AG hat sich 2005 weiter aufgelöst. Wer davon profitierte – und wer unterlag

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ERSTES QUARTAL

1. Februar: Die Walter Bau AG stellt einen Insolvenzantrag. 4100 Beschäftigte werden von der österreichischen Strabag übernommen.

3. Februar: Die Öffentlichkeit empört sich über die Deutsche Bank, als sie nach einem Milliardengewinn den Abbau von 6400 Stellen ankündigt. Aus Politik und Gewerkschaften hagelt es Kritik. Bankchef Josef Ackermann setzt sich ein ambitioniertes Ziel: Eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent.

23. Februar: Infineon schließt seine Chipproduktion in München-Perlach mit rund 800 Mitarbeitern. Mit einem einwöchigen Streik setzten die Beschäftigten einen Sozialtarifvertrag unter anderem mit höheren Abfindungen durch.

24. Februar: Die Hypo-Vereinsbank streicht nach einem Verlust von 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2004 erneut 2400 Stellen. In den vergangenen Jahren waren bereits weltweit 11 000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Auslöser für den Verlust waren vor allem faule Immobilienkredite.

22. März: Die Lufthansa übernimmt die angeschlagene Schweizer Airline Swiss für rund 300 Millionen Euro.

ZWEITES QUARTAL

27. April: Jungfernflug des größten Passagierflugzeugs der Welt. Der Airbus A380 für bis zu 853 Passagiere absolviert einen knapp vierstündigen Rundflug.

29. April: Die Telekom setzt die Wiedereingliederung von T-Online in den Mutterkonzern durch. Die T-Online-Aktionäre sollen je Aktie 0,52 T-Aktien erhalten. Dies entspräche einem Wert von rund acht Euro pro Anteilsschein. Beim Börsengang im Frühjahr 2000 kostete das T-Online-Papier noch 27 Euro. Unzufriedene Anleger klagen und erreichen im Spätherbst, dass T-Online nicht sofort mit der Telekom fusionieren kann.

2. Mai: Adidas trennt sich von Salomon. Nach acht Jahren verkauft Europas größter Sportartikelhersteller die französische Wintersport- und Outdoor-Sparte und heißt künftig nur noch Adidas.

9. Mai: Die Führungsspitze der Deutschen Börse unterliegt im Machtkampf mit angelsächsischen Investmentfonds, die sich als Großaktionäre eingekauft haben. Vorstandschef Werner Seifert verlässt das Unternehmen, auch Aufsichtsratschef Rolf Breuer kündigt sein Ausscheiden an. Die als „Heuschrecken“ bezeichneten Investoren hatten sich gegen die versuchte Übernahme der Londoner Börse ausgesprochen.

12. Mai: Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff wird Vorstandschef des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle. Zuvor war er Aufsichtsratschef. Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach trat im April zurück.

7. Juni: Siemens gibt sein verlustreiches Handy-Geschäft nach langem Zögern an den taiwanesischen BenQ-Konzern ab. Die Kosten der Abtrennung werden auf rund 300 Millionen Euro geschätzt.

12. Juni: Die Hypo-Vereinsbank wird von der italienischen Unicredito übernommen. Unicredito bietet für die HVB gut 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Bei der größten grenzüberschreitenden Bankenfusion in Europa sollen 9200 Arbeitsplätze gestrichen werden.

25. Juni: Mit einem Magazinbericht über einen Schmiergeld-Verdacht beim ehemaligen Skoda-Personalchef Helmuth Schuster kommt die VW-Affäre ins Rollen. Fünf Tage später tritt Betriebsratschef Klaus Volkert zurück. Eine Woche später übernimmt Personalchef Peter Hartz die „politische Verantwortung“ und tritt ebenfalls zurück.

DRITTES QUARTAL

28. Juli: Abruptes Ende der Ära Jürgen Schrempp bei Daimler-Chrysler. Nach zehn Jahren an der Spitze kündigt der Vorstandschef den Rückzug zum Jahresende an. Nachdem Chrysler-Chef Dieter Zetsche zum Nachfolger berufen wird, gibt der als Kronprinz gehandelte Mercedes- Chef Eckehard Cordes seinen Posten auf.

3. August: Adidas übernimmt den US- Wettbewerber Reebok für 3,1 Milliarden Euro.

5. August: Der Springer-Konzern kündigt die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 an. Das Bundeskartellamt macht jedoch im November in einer Abmahnung deutlich, dass es eine zu große Konzentration der Medienmacht befürchtet und einen Zusammenschluss ohne Auflagen nicht genehmigen wird. Die Prüfungsfrist wird auf Januar verlängert.

25. September: Porsche steigt für rund drei Milliarden Euro mit rund 19 Prozent bei VW ein. Die Doppelrolle von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der auch Porsche-Anteilseigner und Besitzer einer Autohaus-Kette ist, sorgt für heftigen Streit in dem Kontrollgremium.

28. September: Gut ein Jahr nach der vereinbarten Standortsicherung kündigt die Mercedes-Gruppe den Abbau von 8500 der 93 000 Stellen in Deutschland an. Entlassungen darf es wegen des Beschäftigungspakts bis 2012 nicht geben.

30. September: Solar-Boom an der Börse. Der Solarzellen-Spezialist Ersol startet mit beachtlichen Kursgewinnen. Innerhalb kurzer Zeit gehen mit Q-Cells, Centrosolar und Sunline noch drei Unternehmen der Branche an den Markt.

VIERTES QUARTAL

2. November: Die Telekom kündigt die Streichung von 32 000 Arbeitsplätzen an. Betriebsbedingte Kündigungen werde es dabei bis Ende 2008 nicht geben. Zugleich sollen 6000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Gewerkschaften kündigen Widerstand an.

17. November: Der Chipkonzern Infineon wird zerschlagen. Der Aufsichtsrat stimmt für eine Abspaltung der Speicherchip-Sparte bis Mitte 2006.

25. November: Pläne der Deutschen Bahn zum Umzug der Zentrale von Berlin nach Hamburg werden bekannt. Das Bundeskabinett plädiert dagegen. Die Bahn ist mehrheitlich im Besitz des Bundes.

12. Dezember: Der monatelange Kampf der 1750 Beschäftigten des AEG- Hausgerätewerks in Nürnberg war vergeblich. Der Mutterkonzern Electrolux beschließt die Stilllegung Ende 2007.

15. Dezember: Die Deutsche Bank schließt den offenen Immobilienfonds „Grundbesitz-Invest“ und verärgert damit Anleger und die gesamte Branche.

21. Dezember: Der Freispruch von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess wird vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Ackermann steht danach unter massivem Rücktrittsdruck. In dem Prozess ging es um den Vorwurf der Untreue im Zusammenhang mit den Millionen-Prämien, im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch den Mobilfunkkonzern Vodafone Anfang 2000.

21. Dezember: Der Abo-Sender Premiere verliert die Übertragungsrechte für die Bundesliga an ein Konsortium aus Kabelnetzbetreibern. Daraufhin bricht die Aktie zunächst um mehr als 40 Prozent ein. Tsp

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