Übernahmepläne : Aer Lingus weist Ryanair-Offerte zurück

Irlands Fluglinie Aer Lingus will vorerst nichts von den Ryanair-Übernahmeplänen wissen. Auch die Regierung in Dublin ist gegen eine Fusion.

London - Die gerade erst teilprivatisierte irische Fluglinie Aer Lingus wehrt sich gegen eine überraschende Übernahme-Offerte durch Europas größten Billigflieger Ryanair. Innerhalb der ersten Tage nach dem Börsenstart von Aer Lingus am Montag erwarb die ebenfalls irische Ryanair schon 16 Prozent der Anteile und kündigte an, auch noch den Rest zum Preis von 1,48 Milliarden Euro aufkaufen zu wollen. Dies wurde von Aer-Lingus-Chef John Sharman umgehend zurückgewiesen: Die "völlig opportunistische" Offerte ignoriere das "langfristige Wachstumspozential" der Airline. Auch die irische Regierung, die weiter 28 Prozent an Aer Lingus hält, lehnte das Angebot ab.

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Mit der Übernahme von Aer Lingus würde Ryanair, das bislang nur Flugziele in Europa und Marokko ansteuert, erstmals auch in den Transatlantikverkehr einsteigen. Aer Lingus fliegt neun Ziele in den USA an. Zusammen würden beide Linien rund 50 Millionen Passagiere im Jahr befördern. O'Leary sagte dem irischen Radiosender RTE, ein Bündnis der beiden führenden irischen Airlines biete die Chance, den deutschen, britischen und französischen Gesellschaften verstärkt Konkurrenz zu machen. Er kündigte an, die Preise von Aer Lingus nach einer Übernahme weiter reduzieren zu wollen. Aer Lingus war nach den Anschlägen des 11. September 2001 nur knapp der Pleite entronnen und senkte schon seither im Rahmen eines erfolgreichen Sanierungsprogramms seine Preise deutlich ab.

Ryanair wäre auch mit knapper Mehrheit zufrieden

Laut O'Leary strebt Ryanair zwar eine hundertprozentige Übernahme des früheren Staatsunternehmens an, wäre aber auch mit einer knappen Mehrheit - "also alles über 50,1 Prozent" - schon zufrieden. In jedem Fall sollten die beiden Gesellschaften auch künftig voneinander getrennt betrieben werden. Aer-Lingus-Chef Sharman empfahl den Aktionären, die Offerte zu ignorieren. Sein Unternehmen habe das Angebot nicht erbeten. Auch werfe die Offerte bedeutsame wettbewerbsrechtliche Fragen auf. Ähnlich äußerte sich der irische Regierungschef Bertie Ahern vor dem Unterhaus in Dublin. Er kündigte an, seine Regierung wolle einen wichtigen Minderheitsanteil an Aer Lingus behalten.

Aer Lingus befördert auf seinen insgesamt 78 Routen jährlich etwa 15 Millionen Passagiere. Ryanair hat auf seinen 419 Routen etwa 35 Millionen Fluggäste im Jahr. Die Nachricht von der Übernahme-Offerte ließ die Aer-Lingus-Aktie an der Dubliner Börse um 14,7 Prozent auf 2,88 Euro nach oben schießen, das Ryanair-Papier sackte dagegen um 0,9 Prozent auf 8,62 Euro ab.

(tso/AFP)

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