Übernahmepläne : Fränkische Familienfirma greift nach Continental

Die Schaeffler-Gruppe will den dreimal so großen Dax-Konzern für rund 20 Milliarden Euro übernehmen. Die IG Metall ist entsetzt.

Thomas Magenheim
Reifen
Weg damit? Die Reifensparte von Conti könnte nach einer Übernahme verkauft werden. -Foto: dpa

MünchenDie Art des Vorgehens kommt bekannt vor. Vor sieben Jahren, als die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach noch aus den beiden Teilkonzernen INA und LUK bestand, war der damals im M-Dax gelistete Kugellagerkonzern FAG das Opfer. Der Anruf von Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger erreichte FAG-Boss Uwe Loos an einem Freitagabend. Er kündigte ohne diplomatisches Vorspiel für den folgenden Montag ein Kaufangebot an, was nach einigen Wochen Abwehrkampf in der ersten feindlichen Übernahme eines börsennotierten Konzerns durch ein heimisches Familienunternehmen mündete.

Ein ähnliches Telefonat soll vergangenen Freitag Continental erreicht haben. „Continental bestätigt, dass am Ende der vergangenen Woche ein erstes, kurzes Gespräch über ein mögliches Engagement der Schaeffler- Gruppe an Continental stattgefunden hat.“ Mit diesem vorsichtigen Satz kommentiert der Konzern den drohenden Angriff des weit kleineren fränkischen Familienunternehmens Schaeffler. An anderer Stelle sind die Worte deutlicher. „Wir werden mit allen Mitteln verhindern, dass ein völlig intransparentes Unternehmen die Continental AG übernimmt und zerschlägt“, warnte der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine am Montag.

Die Aufregung ist groß in der Industrie und an der Börse. „Schaeffler hatte ich nicht auf dem Radar“, sagt ein Aktienhändler. Immerhin plant die knapp neun Milliarden Euro umsetzende Schaeffler-Gruppe, einen dreimal so großen Dax-Konzern zu übernehmen. Der Preis für Conti dürfte deutlich über 20 Milliarden Euro liegen. Die Schaeffler-Gruppe mit ihren weltweit 66 000 Beschäftigten soll durch Continental mit 150 000 Mitarbeitern ergänzt werden. Nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Finanzkreisen hat sich das Familienunternehmen über Optionen bereits einen Anteil von rund 36 Prozent an Conti gesichert. Dabei werden die Franken von verschiedenen Kreditinstituten, darunter die Royal Bank of Scotland, Dresdner Bank, Deutsche Bank und Merrill Lynch unterstützt.

Die Franken sind schon jetzt einer der größten Familienkonzerne Deutschlands. Geführt wird die Familie von der 66-jährigen Maria-Elisabeth Schaeffler. Die gebürtige Wienerin hatte mit 21 Jahren den Industriellen Georg Schaeffler kennengelernt und nach dessen Tod 1996 das Ruder übernommen. Ihr zur Seite steht Sohn Georg Schaeffler junior. Das Familienvermögen wird auf fünf Milliarden Euro geschätzt. Als operativ starker Mann gilt Geißinger, eine Reizfigur für Gewerkschafter. Der gebürtige Schwabe scheut die Konfrontation nicht. Die 40-Stunden-Woche hat er in weiten Teilen der Schaeffler-Gruppe durchgeboxt, was ihm bei der IG Metall den Ruf eines verbohrten Klassenkämpfers eingebracht hat. Seine Chefin kommt nicht besser weg. „Maria-Elisabeth Schaeffler hat in der Vergangenheit Arbeitnehmerinteressen mit Füßen getreten“, sagt Meine. Und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ist die Sache auch nicht geheuer. „Wir betrachten die Entwicklung sorgenvoll“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Und wir erwarten weitere Aufklärung über die Hintergründe und Ziele des Übernahmeversuches.“

Trotz des Willens der Franken, alle Widerstände zu überwinden, ist Continental ein anderes Kaliber als FAG. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie das finanzieren“, sagte Jens Schattner von Sal. Oppenheim. Bei einem verschlossenen Familienunternehmen wisse man aber nie, was an finanzieller Potenz dahintersteckt. Schaeffler gilt als hoch profitabel, doch Zahlen nennen die Franken nicht. Bei Continental dagegen liegt alles offen. Deren Börsenwert betrug vorige Woche knapp neun Milliarden Euro. Dazu hat Conti seit der Übernahme des Autozulieferers VDO von Siemens rund elf Milliarden Euro Schulden.

„Wir sprechen von über 20 Milliarden Euro Transaktionswert“, rechnet ein Analyst vor. Das werde schwierig, auch wenn Schaeffler mit der Royal Bank of Scotland ein renommiertes Finanzinstitut an der Seite habe. „Aus strategischer Sicht würden Schaeffler und Continental gut zusammenpassen“, meint der Analyst Henning Wagener von AC Research. Die Franken machen 60 Prozent ihrer Umsätze als Kfz-Zulieferer. Bei Conti könnten sie Konzernteile verkaufen, um so den Kauf zu finanzieren. Börsianer sehen die Reifensparte von Conti und die Autoelektroniksparte Conti-Tech als Verkaufskandidaten, die in der Summe mehrere Milliarden Euro einbringen könnten.

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