Übernahmepläne : Kampf der Landesbanken

Nach der Entscheidung im Bieterstreit um die Berliner LBB könnten zwei Verlierer zusammengehen: Die Landesbank Baden-Württemberg will nun die WestLB in Düsseldorf übernehmen, die anfangs auch im Rennen um die LBB dabei war.

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Die Zentrale der Westdeutschen Landesbank (WestLB) in Düsseldorf. -Foto: ddp

Berlin/Frankfurt am Main - In Berlin hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Rennen um die hiesige Landesbank LBB verloren. Nun schickt sie sich an, die WestLB in Düsseldorf zu übernehmen, die anfangs auch im Rennen um die LBB dabei war. Gelingt der neue Coup der LBBW würde die deutsche Bankenlandschaft damit neu geordnet.

Die Eigentümer der WestLB, zwei regionale Sparkassenverbände und das Land Nordrhein-Westfalen, diskutieren bereits verschiedene Konstruktionen, die einen Einstieg der Baden-Württemberger in Düsseldorf möglich machen. Nach Informationen des „Handelsblatts“ kommen sowohl ein Holding-Modell als auch eine Fusion in Frage, wobei die regionale Selbstständigkeit der WestLB und auch der Name sowie der Standort gewahrt würden. „Die WestLB würde nicht mehr die führende Rolle spielen, aber sie könnte ihre Stärken in der Produktentwicklung und im Auslandsgeschäft einbringen“, hieß es am Wochenende im Eigentümerkreis der Sparkassen. Im Umfeld des LBBW-Vorstands hieß es, nunmehr gebe es die „historische Chance“, die Konsolidierung der Landesbanken voranzubringen. Ein Mutter-Tochter-Modell, wie es die LBBW bei der Mainzer Landesbank vorexerziert hatte, komme allerdings nicht in Frage, weil die WestLB dafür zu groß sei.

Durch einen Zusammenschluss von LBBW und WestLB entstünde die zweitgrößte Bank in Deutschland – nur die Deutsche Bank wäre größer. LBBW-Vorstandschef Siegfried Jaschinski fordert seit langem den Zusammenschluss zwischen den regionalen Landesbanken, um eine schlagkräftige Bank von internationalem Format zu schaffen – am liebsten unter seiner Führung. Deshalb hatte er auch lange im Kampf um die LBB mitgeboten. WestLB-Chef Fischer, der wie Jaschinski als starke und eigenwillige Persönlichkeit gilt, will eine Superbank unter Führung der LBBW dagegen unbedingt verhindern. Vor allem aus diesem Grund, so heißt es in Finanzkreisen, sei die WestLB in Berlin angetreten.

Offenbar laufen schon seit Wochen Gespräche zwischen Jaschinski und Spitzenvertretern der regionalen Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen-Lippe, die zusammen gut 50 Prozent an der WestLB halten. Es sei richtig, nach allen Seiten zu sondieren, unabhängig von der Rechtsform der Interessenten, sagte ein Sparkassenvorstand. Offiziell wollte man sich nicht äußern, um die laufenden Gespräche nicht zu gefährden.

Der dritte Hauptaktionär der WestLB, das Land Nordrhein-Westfalen, ist grundsätzlich bereit, seinen Anteil von 38 Prozent ebenfalls zu verkaufen. Die Frage ist nur, an wen. Finanzminister Helmut Linssen (CDU) hatte bisher eine „westeuropäische Großbank“ im Visier. „Der Verkauf an eine öffentlich-rechtliche Landesbank wäre sicherlich ein Umfaller“, sagte ein Beobachter dem „Handelsblatt“. Offenbar gibt es aber auf Ebene der Ministerpräsidenten Günther Oettinger und Jürgen Rüttgers (beide CDU) in der Sache fruchtbare Kontakte, wobei der frühere baden-württembergische Verbandschef und Ex-CDU-Fraktionsvize Heinrich Haasis eine zentrale Rolle spielen soll. Haasis ist heute Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes DSGV, der die Landesbank Berlin übernimmt.

Haasis hatte die LBBW am Freitag in einem Interview mit dem Tagesspiegel zu einer Übernahme der WestLB aufgerufen: „Ich glaube, dass es gut wäre, wenn die LBBW ihre unbestrittenen Kräfte jetzt im Sinne der Sparkassen-Finanzgruppe einsetzt. Eine Möglichkeit wäre ein Kauf von Anteilen an der WestLB.“ Die Berliner LBB sieht Haasis auch nach dem Kauf durch den Deutschen-Sparkassen- und Giroverband (DSGV) nicht in einer zentralen Rolle für eine künftige Konsolidierung der Landesbanken. „Das steht nicht an“, sagte Haasis. stek/HB

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