Übernahmepläne : VW-Betriebsrat bleibt auf Kurs gegen Porsche

Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh erklärt, die VW-Beschäftigten hätten Angst vor Wendelin Wiedeking. Der Porsche-Chef wolle nicht einmal mit ihm sprechen.

Mark Schneider
Wiedeking
Wendelin Wiedeking gibt den harten Porsche-Chef. -Foto: dpa

Düsseldorf – Der Konflikt zwischen dem Betriebsrat der Volkswagen AG und dem Großaktionär, der Holding Porsche SE, geht in die nächste Runde. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh will seinen Widerstand gegen die Pläne zur Mitbestimmung in der Porsche-Holding beibehalten. „Wir machen weiter“, sagte Osterloh dem „Handelsblatt“, „was soll ich denn meinen Kollegen sagen? War alles Quatsch?“ Die Stimmung habe sich spürbar erhitzt. Die Kollegen hätten inzwischen Angst – „vor Porsche und auch vor Herrn Wiedeking“.

Der Sportwagenbauer hatte vorige Woche angekündigt, seinen Anteil an den VW-Stimmrechten von 30,6 auf mehr als 50 Prozent ausdehnen zu wollen. VW würde dann von der Porsche-Holding dominiert. Die Holding bündelt die Beteiligungen der Familien Porsche und Piëch an Porsche.

Angeblich soll Porsche sogar eine Dreiviertel-Mehrheit anstreben, um ein wahrscheinliches neues VW-Gesetz auszubremsen. Das Gesetz würde dem Betriebsrat und dem Land Niedersachsen weitreichende Vetorechte sichern und wird derzeit innerhalb der Bundesregierung abgestimmt. Ein Porsche-Sprecher bestritt am Wochenende eine konkrete Absicht, 75 Prozent an VW zu erwerben.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking beharrt überdies auf den Mitbestimmungsregeln, die er mit seinem eigenen Betriebsrat vereinbart hat. Die stellen die Arbeitnehmervertreter von VW und Porsche im Aufsichtsrat gleich – trotz der gewaltigen Größenunterschiede der Belegschaften. Volkswagen hat 325 000 Mitarbeiter, Porsche etwa 12 000.

Porsche-Chef Wiedeking hatte jüngst zur Porsche-Belegschaft gesagt, er wolle die Situation beruhigen. Porsche müsse VW gegenüber ohne jede Arroganz auftreten. Derzeit gibt es keinen Kontakt zwischen den Kontrahenten Osterloh und Wiedeking. „Der Vorstandschef von Porsche redet nicht mit mir“, sagte Osterloh. „Vielleicht kommt er mal zu einer Aufsichtsratssitzung eine Stunde früher, dann könnten wir reden. Das habe ich ihm schon vor sechs Wochen angeboten. Offenbar hat er wichtigere Termine“, fügte er hinzu. Porsche verweist darauf, der letzte Termin für ein Treffen zwischen Osterloh und Porsches Betriebsratschef Uwe Hück mit Wiedeking und Finanzchef Holger Härter sei Ende Januar aus Wolfsburg abgesagt worden.

Stattdessen trafen sich die beiden Betriebsräte allein, um einen Kompromiss auszuhandeln. Das Protokoll des Gesprächs vom 28. Januar legte Hück anschließend dem Porsche-Vorstand vor – der es über drei Seiten mit Einwänden versah. „Da kann ich doch nicht von Einigkeit sprechen. Mit Uwe Hück bin ich mir einig, nicht in jedem Punkt, aber weitgehend. Mit dem Vorstand der SE bin ich mir allerdings nicht einig“, sagte Osterloh nun dem „Handelsblatt“.

Lösen die Parteien ihren Konflikt nicht, gilt der Vertrag, den Hück und Wiedeking geschlossen haben. Der sieht die gleiche Zahl an Sitzen für die Arbeitnehmervertreter von VW und Porsche im Aufsichtsrat der Porsche-Holding vor. Dagegen klagt Osterloh vor dem Arbeitsgericht Ludwigsburg. Mit einer einstweiligen Verfügung war er im Oktober gescheitert. „Wir werden das durch alle Instanzen durchziehen“, kündigte Osterloh an. Der nächste Gerichtstermin ist für den 29. April angesetzt.

Zu Berichten, zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbank im VW-Aufsichtsrat sei es kürzlich zu einem Zerwürfnis gekommen, will sich Osterloh nicht äußern. Angeblich habe er der Bilanz 2007 nur zustimmen wollen, wenn VW einen Abhängigkeitsbericht abgebe und die Beherrschung durch Posche damit formal bestätige. Porsche-Aktionär und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll Osterlohs Vorstoß mit seiner doppelten Stimme abgewehrt haben. Osterloh hatte sich kürzlich „mehr Rückendeckung“ von Piëch gewünscht, der in der Vergangenheit stets engen Draht zum Betriebsrat gehalten hatte. Inhaltlich bleibt Osterloh bei seiner Position, was den Abhängigkeitsbericht anbelangt: „VW ist schon jetzt von Porsche abhängig.“ Mark Schneider (HB)

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