Wirtschaft : Übernahmepoker belastet Wella

Umsatz und operatives Ergebnis des Darmstädter Haarpflegespezialisten sinken

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Berlin (pet). Der Übernahmekampf mit Procter&Gamble und der schwache Dollar haben dem Haarpflegekonzern Wella im vergangenen Jahr zu schaffen gemacht. Umsatz und operatives Ergebnis gingen im Vergleich zum Vorjahr zurück. 2004 erwartet die WellaSpitze aber zumindest im Geschäft mit Shampoos und Pflegemitteln durch die engere Verzahnung mit Procter&Gamble die Trendwende. „2004 wird für Wella ein Jahr großer Herausforderungen werden“, heißt es in der Mitteilung des Darmstädter Unternehmens vom Dienstag. Belastet wird der Übernahmeprozess durch die Klage von Minderheitsaktionären, die sich durch denn Verkauf übervorteilt sehen.

Der Haarpflegekonzern war im vergangenen Jahr nach langem Pokern von dem US-Konsumgüterkonzern Procter&Gamble (Pampers, Meister Proper) übernommen worden. Die Amerikaner hatten Anfang 2003 die Eignerfamilie Ströher überredet, ihren 78-Prozent-Anteil an Wella zu verkaufen. Über den Preis ist inzwischen allerdings ein heftiger Streit entbrannt: Während Procter&Gamble für die stimmberechtigten Ströher-Aktien je 92,35 zahlte, bot der Konzern den Minderheitsaktionären nur 65 Euro pro Aktie an. Das wollen sie nicht hinnehmen.

Ein Konsortium um den US-Hedge Fonds Elliot Associates versucht gerade, vor dem Amtsgericht Darmstadt eine Sonderprüfung der Übernahme zu erstreiten. Dabei soll geklärt werden, ob Rechte von Minderheitsaktionären verletzt worden sind. Die Klage wird indirekt unterstützt von der Fondsgesellschaft Deka Investment. „Wir gehen davon aus, dass Procter&Gamble in Vermögensrechte der Minderheitsaktionäre eingegriffen hat", sagte Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel dem Tagesspiegel. Er erwartet eine Entscheidung im zweiten Quartal. Außerdem prüfe die Fondsgesellschaft Deka-Investment die Voraussetzungen für eine separate Klage gegen den US-Konzern. „Ich rechne damit, dass im Juni wieder Bewegung in die Sache kommt“, sagte Merkel.

Nach Angaben eines Wella-Sprechers wird der Ausgang der Klagen keinen Einfluss auf die Besitzverhältnisse haben. Procter&Gamble hält derzeit 81,8 Prozent am Grundkapital der Wella AG.

Das vergangene Jahr war nach Auskunft der Wella-Geschäftsführung schwierig. Als einer der Gründe wurde die Unsicherheit von Kunden und Mitarbeitern im Zusammenhang mit dem Übernahmeprozess genannt. Außerdem hätten die „schwierigen gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse“ in vielen Regionen der Welt – insbesondere auf dem wichtigen Markt Deutschland – sowie negative Wechselkurseinflüsse das Geschäft belastet. Wella macht nach eigenen Angaben 74 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Der Umsatz ging im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurück. Auch das operative Ergebnis sank im Jahr 2003 im Vergleich zu 2002 um 2,4 Prozent auf 312,9 Millionen Euro. Dabei hat das Unternehmen bereits versucht, die Kosten zu drücken: Die Zahl der weltweit 17 900 Mitarbeiter wurde im vergangenen Jahr um 500 reduziert. Am stärksten ging der Umsatz mit Shampoos und Pflegemitteln zurück – um mehr als neun Prozent auf 932,3 Millionen Euro. Im größten Unternehmensbereich, dem Friseurgeschäft, das fast die Hälfte des Wella-Gesamtumsatzes ausmacht, sank der Umsatz um mehr als drei Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Für das laufende Jahr ist die Geschäftsführung trotzdem zuversichtlich, vor allem für Shampoos und Pflegemittel (Consumer). Die Hoffnung gründet vor allem darauf, dass Procter&Gamble zur Jahresmitte das Consumergeschäft sukzessive in Lizenz übernehmen wird. „Mittelfristig erwartet Wella dann eine verbesserte Ergebnissituation.“

Analysten von Helaba Trust bleiben skeptisch. Die Bewertung im Branchenvergleich erscheine vor dem Hintergrund der verlorenen Eigenständigkeit ambitioniert. Das lasse wenig Aussicht auf eine überdurchschnittliche Kursentwicklung. Die Wella-Vorzugsaktie (siehe Lexikon, Seite 16) gewann am Dienstag 0,39 Prozent auf 74,37 Euro.

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