Wirtschaft : Übernahmepoker geht weiter

BMW droht Rolls-Royce mit Lieferstop / Kein neues Angebot MÜNCHEN / LONDON (tmh / old.).Im Übernahmekampf um Rolls-Royce steht das Bieterduell zwischen Volkswagen und BMW vor einer Eskalation.Offenbar will Rolls-Royce-Eigner Vickers, London, den Kaufpreis für den Luxuswagenhersteller weiter in die Höhe treiben.Man sei offen für eine verbesserte BMW-Offerte, erklärte ein Vickers-Sprecher in London, nachdem der britische Konzern kurz zuvor überraschend einem VW-Angebot für Rolls-Royce in Höhe von 1,25 Mrd.DM den Vorzug gegeben hatte.Dazu ist BMW vorerst nicht bereit.BMW hatte zuletzt eine Mrd.DM geboten.Die nun mit VW eingeleiteten Verkaufsverhandlungen begründete Vickers-Sprecherin Daniels im "Inforadio" mit dem hohen Kaufpreisangebot von VW.Vickers habe sich das Ziel gesteckt, einen möglichst hohen Gewinn für die Aktionäre zu erzielen.Die endgültige Entscheidung liege aber bei den Anteilseignern.In München herrschte nach der sich abzeichnenden Kehrtwende im Poker um Rolls-Royce zunächst große Zurückhaltung.Man kommentiere die angebliche Vorentscheidung für VW nicht, sagte ein Sprecher auf Anfrage.Allerdings würden alle bisherigen Aussagen von BMW weiter gelten.Das betreffe insbesonders die Feststellung von BMW-Chef Bernd Pischetsrieder, man werde nur ein Angebot für Rolls-Royce abgeben und sich nicht auf eine Versteigerung einlassen.Über den Verkauf letztlich entscheiden wird eine außerordentliche Vickers-Hauptversammlung am 4.Juni.Ob die BMW-Haltung, das eigene Angebot nicht aufzustocken, bis dahin unverändert bleibe, wollte der BMW-Sprecher nicht beschwören.Aktien- und Börsenexperten gehen davon aus, daß BMW möglichst zeitnah zur Vickers-Hauptversammlung ein neues Angebot auf den Tisch legt.BMW betonte, daß die Drohung verwirklicht werde, die Lieferung von Motoren und anderen Komponenten an Rolls-Royce kurzfristig einzustellen, sollte die Nobelmarke an VW verkauft werden.Dann stehe die Produktion von Rolls-Royce in Crewe still, hatte Pischetsrieder früher gewarnt.Ein Lieferstop sei zwar nicht von heute auf morgen möglich, in dem Zeitraum, der bleibe, könne man aber keine neuen Motoren entwickeln.Die neuesten Modelle der Briten werden zu rund 30 Prozent von BMW gefertigt.Vickers-Sprecherin Daniels betonte dagegen, VW sei zuversichtlich, während dieser "Sicherheitsperiode" alternative Lösungen zu finden.VW-Chef Ferdinand Piëch bezeichnete die Drohung aus München indessen als "Säbelrasseln".Ein nachgebessertes BMW-Angebot hält er für möglich.VW will das sich abzeichnende Rolls-Royce-Motorenproblem offenbar über den britischen Spezialmotorenbauer Cosworth lösen und diese Vickers-Tochter entsprechend "aufrüsten" aber nicht übernehmen, hieß es in London.Spekuliert wird über eine Cosworth-Übernahme durch die VW-Tochter Audi.In jedem Fall dürfte das die Kosten für VW über die 1,25 Mrd.DM hinaus erhöhen.Zuletzt hatte VW Zusatzinvestitionen von bis zu sechs Mrd.DM bei Rolls-Royce in Aussicht gestellt.Offen ist, wie lange es dauern würde, Cosworth-Motoren für Rolls-Royce und die Schwestermarke Bentley, die ebenfalls zur Verkaufsmasse zählt, anzupassen.Die Situation bei Cosworth wird dadurch kompliziert, daß das Unternehmen an die britsche BMW-Tochter Rover zuliefert.Eine weitere Hürde im Verkaufspoker sind die Namensrechte von Rolls-Royce.Die liegen beim gleichnamigen, britischen Triebwerkshersteller, der wiederum mit BMW über die BMW Rolls-Royce GmbH, Oberursel, verbündet ist und bis zuletzt für BMW votiert hatte.Nach Informationen aus London greift das Vetorecht der Rolls-Royce Plc.aber nur, wenn der "gute Name Rolls-Royce" in Gefahr gerät.Das wäre bei einem Verkauf an VW wohl kaum der Fall.Nach dpa-Informationen ist es den Wolfsburgern darüber hinaus angeblich gelungen, eine Einigung mit dem Triebwerkhersteller über die Namensrechte zu finden.Wieviel VW dafür zahlen muß, ist nicht bekannt.Ein VW-Sprecher wollte das nicht kommentieren.Indessen stimmt das Management von Rolls-Royce Motor Cars weiter für BMW.Britische Enthusiasten der Traditionsmarke haben jedoch unverändert generelle Vorbehalte gegenüber einer Firmenübernahme durch Ausländer.Michael Shrimpton, ein Rechtsanwalt, der seit Monaten versucht, ein britisches Gegenangebot zustandezubringen, sagte: "Wir beabsichtigen weiterhin, ein Angebot für Rolls-Royce auf den Tisch zu legen.Und wir arbeiten sogar auf eine höhere Summe hin als VW." Noch vor der Aktionärsversammlung Anfang Juni werde sein Angebot vorliegen.Denn er glaube keineswegs, daß VW für Rolls-Royce-Kunden und -Händler akzeptabler wäre als BMW."Niemand will, daß Rolls-Royce in deutsche oder überhaupt ausländische Hände fällt", so Shrimpton.Wie Piëch weiter mitteilte, wird das neue VW-Modell "Beetle" in Deutschland mit einem stärkeren Motor als in den USA auf den Markt kommen.Die Markteinführung sei für November geplant.

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