Übernahmepoker : Yahoo im Kreuzfeuer

Nach der Absage an Microsofts Milliardenangebot wächst der Druck auf Yahoo. Vor allem aggressive Großaktionäre wollen der Internet-Konzern doch noch zum Verkauf drängen - doch Yahoo wehrt sich.

Sunnyvale/New York Der Internet-Konzern Yahoo gerät rund zwei Wochen nach seinem Nein zur Milliardenübernahme durch Microsoft immer stärker ins Kreuzfeuer. Aggressive Hedge-Fonds und verärgerte Investoren haben ihre Unterstützung für US-Milliardär Carl Icahn zugesagt, der Yahoo doch noch zum Kauf durch Microsoft zwingen will. Die Yahoo-Spitze kontert die Attacken in einem offenen Brief mit scharfer Kritik.

Icahns Vorwürfe spiegelten ein grundlegend falsches Verständnis der Fakten wider, schrieb Yahoo-Verwaltungsratschef Roy Bostock am Donnerstagabend an den streitbaren US-Milliardär. Sein Plan zur Neubesetzung des ganzen Verwaltungsrates mit eigenen "handverlesenen Kandidaten" sei nicht im besten Interesse der Aktionäre. Yahoo sei nach wie vor zur Prüfung eines höheren Angebots auch von Microsoft bereit, betonte Bostock ausdrücklich. "Aber derzeit liegt keine Kaufofferte auf dem Tisch."

Tatsächlich ist weiterhin nicht bekannt, ob Microsoft sein Angebot wieder aufleben lassen würde. Der weltgrößte Softwareanbieter betonte zuletzt mehrfach, er verfolge nun ohne Yahoo seinen eigenen Weg. Experten nehmen an, dass Microsoft selbst bei erneutem Interesse zunächst die Entwicklung zwischen Icahn und Yahoo abwartet. Mit dem Kauf wollte Microsoft die Vormacht des Suchmaschinenriesen Google bei Internet-Werbung und Web-Suche brechen.

Milliardensummen investiert

Der New Yorker Hedge-Fonds Paulson & Co besitzt nach jüngsten Angaben 50 Millionen Yahoo-Aktien und damit einen Anteil von etwa 3,6 Prozent. Paulson kündigte Rückendeckung für Icahn bei der am 3. Juli anstehenden Wahl des Verwaltungsrates an. Icahn selbst hält 4,2 Prozent an Yahoo und will auf knapp 7 Prozent aufstocken. Beide Großaktionäre investierten damit bereits Milliardensummen.

Über den Verwaltungsrat könnten die Investoren Yahoo-Chef Jerry Yang zur Annahme des Microsoft-Angebots drängen oder seine Ablösung betreiben. Yahoo wiederum könnte den Kritikern als Kompromiss einige Sitze in dem Gremium anbieten. Zu der Runde gehören derzeit neun unabhängige Mitglieder sowie auch Yahoo-Chef Yang selbst.

Umfassende Kooperation für Online-Werbung

Icahn setzte mit seinen harten Methoden bereits bei einer Reihe von Unternehmen Fusionen und Verkäufe durch. Der 72-Jährige machte auf diese Weise einen Gutteil seines Vermögens. Auf der Superreichen-Liste des US-Magazins "Forbes" rangiert er aktuell auf Platz 46 mit einem geschätzten Vermögen von 14 Milliarden Dollar.

Yahoo schloss unterdessen am Freitag mit dem britischen Marketing-Konzern WPP eine umfassende Partnerschaft für Online-Werbung. Die Werbeagenturen des WPP-Konzerns sollen künftig Anzeigen einfacher als bisher direkt über eine Web-Plattform von Yahoo schalten können. Der lukrative Werbemarkt im Internet ist heftig umkämpft. (jam/dpa)

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