Wirtschaft : Überraschung in Regierungskreisen - das Anbieterkonsortium beharrt auf eine deutsche Referenzstrecke

ran/chi

Die chinesische Regierung hat offenbar Interesse am Bau einer Transrapidstrecke zwischen Peking und Shanghai. Das sagte Ministerpräsident Zhou Rongji nach Angaben aus Delegationskreisen am Donnerstagabend in einem Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Peking. Zhou habe "völlig überraschend" erklärt, er gehe davon aus, dass die deutsche Schwebebahntechnologie die beste Lösung sei, hieß es.

Die Realisierung steht noch in den Sternen. In Berlin sagte der Geschäftsführer des Betreiberkonsortiums Transrapid International (TRI), Gerhard Wahl, dem Tagesspiegel, dass mit dem chinesischen Ministerium für Wissenschaft- und Technologie "eine Absichtserklärung für eine Machbarkeitsstudie für eine erste Anwendungsstrecke" unterzeichnet wurde.

Auch in deutschen Regierungskreisen hieß es einschränkend, dass eine Entscheidung in der Sache noch nicht gefallen sei. "Das ist im Vor-Vorfeld einer Entscheidung, die möglich ist, aber nicht zwingend", hieß es. So müsse geklärt werden, ob der Bau realisierbar sei. Auch über die Finanzierung des Projekts sei noch nicht gesprochen worden. Der chinesische Regierungschef habe seine Präferenz für den Transrapid aber mit "bewundernswerter Klarheit" zum Ausdruck gebracht. Nun gehe es darum, die inhaltlichen Fragen zu klären.

Wie groß die Chancen seien, dass das Projekt auf dem chinesischen Markt Fuß fasse, müssten die Betreiber klären, sagte ein Vertrauter des Kanzlers. Zhou habe den Transrapid von sich aus mehrfach angesprochen. Man habe nicht damit gerechnet. Die Frage habe nicht auf der Agenda gestanden. Über technische Einzelheiten und einen Zeithorizont sei nicht geredet worden. "Wir haben aber den Eindruck, dass rasch mit der Prüfung aller Fragen begonnen werden soll", hieß es aus der Umgebung Schröders.

Wie Wahl dem Tagesspiegel sagte, gehe es bei der geplanten Machbarkeitsstudie zunächst um die Auswahl einer ersten Anwendungsstrecke. Zur Diskussion stehe dabei weniger die 2200 Kilometer lange Verbindung Peking-Schanghai, sondern beispielsweise die wesentlich kürzere Verbindung Peking-Tian Jin oder die 25-Kilometer-Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in Peking, mit denen weitere Einsatzmöglichkeiten in China getestet werden könnten. Wesentliches Kriterium sei "die Wirtschaftlichkeit des Betriebs", sagte Wahl. Über die Finanzierung müsse erst gesprochen werden. Wahl machte aber deutlich, dass "dies keine Alternative für eine deutsche Anwendungsstrecke ist". Für sämtliche Projektgespräche im Ausland bleibe die Realisierung in Deutschland Voraussetzung - "das gilt auch für China", sagte Wahl.

Unterdessen haben Vertreter deutscher Unternehmen und Chinas in Peking zwei Wirtschaftsabkommen im Gesamtwert von 5,9 Milliarden Mark unterzeichnet. Dabei handelt es sich um ein petrochemisches Joint Venture von BASF und der staatlichen chinesischen Sinopec sowie um eine Vereinbarung von Bayer und der Firma Schanghai Chloralkali für eine gemeinsame Kunststofffabrik.

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