Wirtschaft : Überraschung per Post: Im April sinken die Renten

Die neuen Rentenbescheide sind jetzt unterwegs / Der Sozialverband rät Rentnern, Widerspruch dagegen einzulegen

Heike Jahberg

Die Ersten bekommen die schlechte Nachricht schon am heutigen Dienstag: Rund 19 Millionen neue Rentenbescheide sind jetzt auf dem Weg zu den Senioren. Darin können die Rentner schwarz auf weiß nachlesen, wie viel Rente sie ab dem 1. April weniger bekommen werden. Die ersten Bescheide haben die Rentenversicherer am Montag losgeschickt, bis zum 25. März sollen alle Betroffenen informiert sein. Und das kommt auf die Rentner zu:

Pflegeversicherung: Um die Rentenkassen zu entlasten, müssen die Rentner ab dem 1. April die Beiträge an die Pflegeversicherung voll aus eigener Tasche zahlen. Bisher hatten sich Senioren und Rentenversicherer die Beiträge hälftig geteilt. Damit ist jetzt Schluss. Konsequenz: Ein Rentner, der eine monatliche Bruttorente von 1000 Euro bekommt, musste bisher 8,50 Euro für die Pflegeversicherung abführen, demnächst sind es 17 Euro.

Krankenversicherung: Veränderungen bei den Krankenkassenbeiträgen schlagen jetzt schneller auf die Rente durch. Bisher war es so, dass der jeweils am 1. Januar gültige Beitragssatz einmalig im Jahr – zum 1. Juli – im Zuge der Rentenanpassung bei der Rente berücksichtigt wurde. Jetzt werden Veränderungen bei den Beitragssätzen bereits nach drei Monaten an die Rentner weitergegeben. Das heißt: Hat die Krankenkasse zum 1. Januar die Beiträge erhöht oder gesenkt, wirkt sich das schon zum 1. April aus. Betroffen sind nach Informationen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) schätzungsweise sechs Millionen Rentner. Von diesen sechs Millionen müssen eine Million Senioren mit weiteren Rentenkürzungen rechnen, weil ihre Krankenkassen die Beitragssätze erhöht haben. Rund fünf Millionen profitieren von Beitragssenkungen. Beispiel: Senkt die Krankenkasse ihren Beitragssatz um 0,5 Prozent, so entlastet das einen Senioren mit einer Bruttorente von 1000 Euro im Monat um 2,50 Euro. Das ist jedoch deutlich weniger als der Aufschlag durch die Pflegeversicherung, so dass unterm Strich eine Rentenkürzung bleibt. Das Gros der Rentner ist von der neuen Krankenkassenregelung ohnehin nicht betroffen: Bei 13 Millionen Senioren sind die Kassensätze zum Jahresanfang stabil geblieben.

Spätere Rentenzahlung: Neurentner, die im April zum ersten Mal Rente beziehen, müssen sich gedulden. Statt am Monatsbeginn bekommen sie ihre Bezüge erst zum Monatsende. Mit der Verschiebung sollen die Rentenkassen jährlich um rund 750 Millionen Euro entlastet werden. Wer jetzt schon Rente bezieht, ist von dieser Verschiebung zwar nicht betroffen, allerdings bekommen auch Altrentner das Geld künftig einen Tag später überwiesen. Während die Rentenversicherungsträger bislang die Renten bereits am vorletzten Bankarbeitstag eines Monats auszahlen, weisen sie die Renten jetzt erst am eigentlichen Auszahlungstag, dem letzten Bankarbeitstag im Monat, an. Beispiel: Die Renten für April werden nun erst am 31. März und nicht schon am 30. März überwiesen. Konsequenz: Da viele Rentner Daueraufträge oder Lastschriften auf den alten Stichtag gelegt haben, müssen sie umgehend reagieren und die Ausführung um einen Tag nach hinten verschieben. Sonst laufen sie Gefahr, dass die Banken ihre Aufträge nicht ausführen, wenn keine ausreichende Deckung auf dem Konto vorhanden ist, oder es drohen teure Überziehungszinsen.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat die Rentner zum Widerstand aufgerufen. Die Senioren sollen gegen die Verdopplung des Pflegebeitrags Widerspruch einlegen, meint der Rentnerverband. Seinen Mitgliedern hat der Verband ein entsprechendes Musterschreiben zur Verfügung gestellt. Ein Widerspruch hat jedoch keine aufschiebende Wirkung.

Mit seiner Aktion steht der Verband aber allein da. „Wir empfehlen unseren Mitgliedern nicht zu klagen“, sagt Walter Hirrlinger vom Sozialverband VdK: „Wir sind nicht so sicher, dass die Klagen erfolgreich wären.“ Das ändere aber nichts an der Empörung der Betroffenen, glaubt Hirrlinger: „Wenn die Rentner im April ihre Kontoauszüge sehen, wird der Teufel los sein“.

Zu den Änderungen bei der Rente veranstaltet der Tagesspiegel eine Telefonaktion: Am 25. März von 15 bis 17 Uhr.

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