• Überraschung über die hohen Kosten für die Verbesserung der Organisation - Analysten sehen das Institut auf dem richtigen Weg

Wirtschaft : Überraschung über die hohen Kosten für die Verbesserung der Organisation - Analysten sehen das Institut auf dem richtigen Weg

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Die Integration von Bankers Trust hat der Deutschen Bank im vergangenen Jahr einen deutlichen Schub gegeben, aber auch zu einem erheblichen Kostenanstieg geführt. Der Gewinn vor Steuern kletterte nach vorläufigen Zahlen um 23 Prozent auf das Rekordniveau von 5,0 Milliarden Euro (9,78 Milliarden Mark). Nach Steuern bleiben dem Institut mit 2,6 Milliarden Euro fast 50 Prozent mehr als vor Jahresfrist. "Zur erfreulichen Geschäftsentwicklung hat die erfolgreiche Integration von Bankers Trust beigetragen", teilte die Deutsche Bank am Mittwoch mit. Analysten hatten mit diesen Zahlen gerechnet, nachdem schon vor einigen Tagen Details durchgesickert waren. Sie seien gleichwohl exzellent, heißt es in Frankfurt (Main).

Allerdings sind Beobachter überrascht, dass die weltgrößte Bank auch 900 Millionen Euro für Restrukturierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Übernahme des US-Instituts und für den Aufbau der Deutschen Bank 24 aufwenden musste. Das Institut konnte diese Aufwendungen durch die Verkäufe von Beteiligungen und durch die Auflösung einer Sicherungsrücklage für den Kauf von Bankers Trust ausgleichen. Im Sommer hatte die Deutsche Bank ihre Beteiligung an der Allianz von 9,3 auf etwa sieben Prozent reduziert. Allein dies brachte über eine Milliarde Euro in die Kasse. Für die Übernahme von Bankers Trust, die in Dollar beglichen werden musste, schloss die Bank ein Kurssicherungsgeschäft ab. Eine lohnende Entscheidung, wie sich im Lauf des Jahres herausstellte. Der steigende Dollarkurs bescherte dem Institut einen stattlichen, steuerfreien Gewinn von rund 500 Millionen Euro, wie Analysten vermuten.

Dass die Bank rund eine halbe Milliarde Euro in den Aufbau der Deutsche Bank 24 gesteckt hat, betrachtet Michael Harms, Analyst beim Bankhaus Delbrück, als wichtigen und zukunftweisenden Schritt. Seiner Auffassung nach legt dies die Basis für einen starken Internet-Auftritt. Damit könne die Bank endlich auch in Frankreich Fuß fassen und in Übersee noch stärker werden. "Die Deutsche Bank setzt ganz stark auf den Trend, der im Bankgeschäft künftig die Musik bestimmt."

Auch der Verwaltungsaufwand der Deutschen Bank schoss 1999 um rund 55 Prozent auf rund 15,5 Milliarden Euro in die Höhe. Das hat unter anderem mit den hohen Abfindungen zu tun, die das Geldhaus ausscheidenden Managern von Bankers Trust zukommen ließ. So erhielt allein Frank Newman, der Ex-Chef der US-Bank, rund 55 Millionen Dollar.

Dass die Bank im eigentlichen Bankgeschäft ihre Erträge deutlich steigern und vor allem stärker auf die Provisionen ausrichten konnten, findet ebenfalls den Beifall von Analysten. Erträge im Provisions- und Zinsgeschäft seien jetzt auf gleicher Höhe, sagt Bankenanalyst Harms. "Die Deutsche Bank ist die erste Bank, die dies erreicht hat." Damit reduziert das Institut die Abhängigkeit von Geschäften, in denen die Gewinnmargen in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen sind. Der Provisionsüberschuss der Deutschen Bank kletterte 1999 um über 50 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis im Eigenhandel mit Wertpapieren, Devisen und Edelmetallen stieg auch dank des Börsenbooms sogar um 170 Prozent auf rund 4,8 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme erhöhte sich von rund 625 auf 840 Milliarden Euro. Mit 706 Millionen Euro will die Deutsche Bank rund 18 Prozent mehr an ihre Aktionäre ausschütten als im Vorjahr. Die Dividende soll von 1,12 Euro auf 1,15 Euro steigen. Insbesondere wegen der Kapitalerhöhung vom April 1999 stieg die Dividendensumme damit um 18 Prozent auf 706 Millionen Euro.

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