Wirtschaft : Überraschungen im Ramadan

Tewe Pannier

Am Ende macht es der Ramadan genauso spannend wie am Anfang. Wann er genau vorbei ist, erfahren wir alle in letzter Minute aus Zeitung, Radio und Fernsehen. Es hätte am Samstag passieren können oder am Sonntag. Nun ist es doch der heutige Montag geworden, haben die Gelehrten in Saudi-Arabien vom Mond abgelesen und verkündet. Was lag zwischen Anfang und Ende? Mein Geschäftspartner Karim, mit dem ich viel Zeit verbracht habe im heiligen Monat, sagte mir gestern: „Ich bin Gott wieder nähergekommen. Ich habe viel an die Armen gedacht, die auch dann nichts zu essen haben, wenn kein Ramadan ist. Und ich habe viele Verwandte wieder mal in Ruhe gesehen.“ Dann fragt er: „Und wie war der Ramadan für dich?“ Überraschend, denke ich.

Zum Beispiel wie es die Werber schaffen, jedes Produkt mit dem Ramadan zu verbinden. Zum Beispiel im TV-Spot für das Scheuermittel: Die Flasche links im Bild, rechts eine schmutzige Pfanne. Dann erscheint ein Schwamm und wischt einmal durch. In dem Dreck der Pfanne leuchtet plötzlich das Symbol des Ramadan, die Mondsichel. Heiliges Putzen! Oder die Politisierung der Dattel, der Frucht, mit der abends das Fasten gebrochen wird. In Kairo benannten Händler eine Dattelsorte nach dem HisbollahFührer Nasrallah. Angeblich wurde die Nasrallah-Dattel gut verkauft – obwohl sie um ein Viertel teurer war. Dann der Mut der einheimischen Managerin, die regelmäßig zum Mittagessen hinter den Sichtschutz der Pizzeria in der Dubai Media City kam und dort während der Fastenzeit vor aller Augen aß und trank. Sehr, sehr modern!

„Jetzt, da der Ramadan vorbei ist, können wir ja endlich den nächsten Termin mit unserem potenziellen Investor machen“, sage ich schließlich voller Tatendrang zu Karim. „Nein, diese Woche geht es nicht“, sagt er entschieden. „ Jetzt sind erst einmal zwei ‚Eid‘-Feiertage, danach fahren viele für ein paar Tage in die Ferien.“ Überraschung gelungen!

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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