Wirtschaft : Übertriebene Kurssteigerungen zum Jahresende wurden jetzt wieder zurückgefahren (Kommentar)

Daniel Rhee-Piening

Die Akteure an den internationalen Börsen haben in den vergangenen Tagen große Worte gefunden. Über erdrutschartige Kursverluste an der amerikanischen Nasdaq sowie in Hongkong und Panikverkäufe in Japan stöhnten die Börsianer. Doch die Aufregung war nur von kurzer Dauer. Schnell haben sich die Realisten auch in der Sprachregelung wieder durchgesetzt. Fazit: Es ist nur eine kleine Seifenblase geplatzt.

Was sich die meisten Börsianer gewünscht hatten, eine Korrektur der übertriebenen Kurssteigerungen zum Jahresende, ist in den ersten Januartagen passiert. Etwas heftig, aber bitter nur für diejenigen Investoren, die erst kauften, als die Börsen schon heißgelaufen waren. Die anderen aber können das Geschehen einigermaßen entspannt betrachten, denn für ein Crash-Szenario gibt es keine Grundlagen. Die Wirtschaftsdaten sind - zumindest aus der Sicht der Börsianer - international weiterhin ausgesprochen positiv, die Unternehmensgewinne sollen kräftig zulegen und die Inflationsgefahren bleiben gering.

Deshalb sind auch die jetzt wieder hervorgeholten Zinsängste der Börsianer eher Ausdruck eines Erklärungsnotstandes. Auf die vorerst letzte Zinserhöhung durch die US-Notenbank hat die Börse geradezu erleichtert reagiert. Die Verlängerung der Amtszeit von Alan Greenspan garantiert ohnehin Kontinuität der Geldpolitik. Und die Europäische Zentralbank hat wieder einmal bewiesen, dass sie sich ihre Entscheidungen nicht leicht macht. Sie will die europäische Konjunktur keineswegs abwürgen, sondern versucht eine weiche Landung. Dafür schuf EZB-Chef Wim Duisenberg ein neues Mittel: Um Liquidität abzuschöpfen, wird Geld hereingenommen. Dafür werden Zinsen gezahlt. In Frankfurt beweist man Kreativität und Fingerspitzengefühl.

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