Wirtschaft : Überweisen zum Nulltarif

Viele Banken bieten ihren Kunden ein Girokonto zum Sonderpreis, besonders günstig sind Online-Konten

Bernd Hops

KONTOFÜHRUNG: WIE SIE SPAREN KÖNNEN

Girokonten sind teuer – und in den vergangenen zwölf Monaten sind sie noch teurer geworden. Das hat die Stiftung Warentest festgestellt. Im Schnitt kostet ein normal genutztes Girokonto mit EC- und Kreditkarte etwa 85 Euro pro Jahr, fünf Euro mehr als im vergangenen Jahr. Teilweise verlangen die Banken sogar mehr als 150 Euro. Es geht aber auch billiger – bis hin zum Nulltarif. Und das in der Regel ohne Abstriche beim Service, sagt Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest. Sie rät, sich dann nach einem neuen Konto umzuschauen, wenn das bisherige mehr als 60 Euro im Jahr kostet. Die Zinsen, die einige Institute noch bei Girokonten zahlen, spielen als Ausgleich für Gebühren mittlerweile kaum ein Rolle. Sie sind zu niedrig.

Zwei Banken im Test bieten ein kostenloses Girokonto ohne Wenn und Aber. Das sind die Sparda-Bank Berlin und die Sparda-Bank Hamburg. Bei beiden kosten Überweisungen, Maestro-Karte (ehemals EC-Karte, siehe Lexikon auf Seite 16) und eine Kreditkarte nichts extra. Die Sparda-Bank Berlin verzichtet außerdem auf den bei Sparda-Banken oft üblichen Genossenschaftsanteil als Voraussetzung für eine Kontoeröffnung, sagt eine Sprecherin. Eine Einschränkung: Die Sparda-Bank nimmt nur Privatkunden, keine Gewerbetreibende.

Andere Banken sind da weniger wählerisch, stellen dafür aber auch andere Hürden für Konten zum Nulltarif auf. So verlangt die Allbank für die kostenlose Kontoführung und eine Maestro-Karte einen monatlichen Mindesteingang auf das Konto von 1000 Euro oder ein Mindestguthaben von 5000 Euro. Die Hypo-Vereinsbank gewährt ein Konto ohne Grundgebühr bei einem Durchschnittsguthaben von 1500 Euro im Quartal. Die SEB begnügt sich mit 1000 Euro Mindestgehaltseingang pro Monat. Dafür kostet das Konto nichts, Überweisungen und EC-Karte sind frei, bloß für die Kreditkarte sind im Jahr bis zu zwölf Euro fällig. Bei der Commerzbank-Tochter Comdirect kommt neben einem monatlichen Geldeingang von durchschnittlich 1250 Euro noch eine weitere Bedingung hinzu. Die Kontoführung ist nur per Internet, Telefon oder postalisch möglich.

Eigene Filialen hat die Comdirect als Direktbank nicht. Dafür dürfen Kunden aber auch die Geldautomaten der Cashgroup (siehe Kasten) nutzen. Das ist ein wesentlicher Vorteil, denn Abhebungen bei Fremdbanken sind teuer. Bei deutschen Instituten varriieren die Preise zwischen etwa drei und fünf Euro. „Wenn man viel unterwegs ist, sollte man daher darauf achten, wie viele Geldautomaten bei einer Bank zur Verfügung stehen“, rät Pallasch. Die meisten großen Banken haben sich inzwischen zu Geldautomatenallianzen zusammengeschlossen.

„Absurde Modelle“

„In den vergangenen Jahren sind die Bedingungen für Girokonten immer unübersichtlicher geworden“, sagt Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale NRW. „Es gibt auch absurde Kontogestaltungen.“ So werde zum Beispiel ein kostenloses Konto an die Bedingung geknüpft, dass im Vorquartal ein Mindestumsatz mit Wertpapieren erzielt wurde. „Das ist für keinen mehr nachvollziehbar“, sagt Strube. Deswegen sollten Kunden sich die Bedingungen genau anschauen. Auch bei den Gebühren ist einiges zu beachten. „Oft gibt es versteckte Preise“, warnt Strube. Und beim Verstecken sind die Banken genauso kreativ und individuell wie bei der Gestaltung ihrer Kontobedingungen. Hier hilft nur der Blick ins Kleingedruckte – oder der Abschluss eines Kontos zum Pauschalpreis, auch auf die Gefahr hin, unter Umständen mehr zu zahlen als bei Einzelabrechnung.

Der Wechsel fällt vielen aber nicht nur wegen der vielen Fußangeln schwer. „Die Kunden hängen an ihren Banken“, sagt Strube. Ein wesentlicher Grund ist dabei der persönliche Kontakt – einer der größten Vorteile der Sparkassen, die das dichteste Filialnetz in Deutschland haben. „Eine Direktbank ist gut, aber was machen Sie, wenn Sie ihr Girokonto überzogen haben“, sagt Strube. Bei der Direktbank gibt es keine direkten Ansprechpartner, bei Filialbanken schon. So ließen sich Probleme manchmal leichter lösen.

Hat man sich aber einmal zu einem Wechsel durchgerungen, ist der einfach. Die Kündigung bei der alten Bank ist kostenlos, Gebühren für die Kontoauflösung sind gerichtlich untersagt. Und einige Banken unterstützen ihre Neukunden beim Kontenwechsel, indem sie ihnen zum Beispiel vorgedruckte Postkarten mit der neuen Bankverbindung zur Verfügung stellen. Schließlich müssen oft der Vermieter, die Stromwerke und andere informiert werden.

Schwierig wird es jedoch, wenn ein Dispokredit besteht – und der auch vor dem Wechsel ausgeschöpft wird, sagt Pallasch von der Stiftung Warentest. Denn in der Regel bekommt ein Neukunde von einer Bank erst dann einen Dispo eingeräumt, wenn einige Monate lang regelmäßig Gehalt auf das Konto eingegangen ist. „Wird der Dispo allerdings auf Dauer genutzt, sollten sich die Kunden ohnehin überlegen, ob sie nicht lieber in einen Ratenkredit umschulden“, rät Pallasch. Der Dispokredit ist nämlich teuer – und wurde in den vergangenen Monaten oft angehoben, obwohl das Zinsniveau gesunken ist. Ein Vergleich der Zinssätze lohnt sich. Die PSD Berlin Brandenburg etwa nimmt nach der jüngsten Untersuchung der Stiftung Warentest 8,95 Prozent, die Comdirect zehn Prozent und die SEB 13,25 Prozent.

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