Ukraine und Russland : Gazprom gewährt eine Galgenfrist

Russen drehen Ukrainern den Hahn vorerst nicht ab. Ukrainer überweisen eine erste Rate für die Gaslieferungen der vergangenen Monate.

Nachdem Gazprom-Chef Alexej Borisowitsch Miller am Montagmorgen bestätigt hatte, dass die Ukraine wie zugesagt eine erste Rate von mehr als 700 Millionen US-Dollar bezahlt hatte, reisten die Energieminister nach Brüssel, um weiter über den künftigen Gaspreis zu verhandeln. Foto: dpa
Nachdem Gazprom-Chef Alexej Borisowitsch Miller am Montagmorgen bestätigt hatte, dass die Ukraine wie zugesagt eine erste Rate von...Foto: dpa

Im monatelangen Streit zwischen Russland und der Ukraine um Gaslieferungen ist ein Kompromiss in Sicht. Sowohl ein Tilgungsplan für die offenen Rechnungen als auch ein Vorschlag für den Preis künftiger Lieferungen liege auf dem Tisch, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Montag nach einem dreistündigen Treffen mit den Energieministern beider Länder in Brüssel.

Die Vorstandsvorsitzenden des russischen Energievorsorgers Gazprom und des ukrainischen Versorgers Naftogas, die ebenfalls in Brüssel waren, haben sich nach Oettingers Worten in Vieraugengesprächen auf einen „gemeinsamen Vorschlag für eine Paketlösung“ geeinigt. Sie wollten den Plan „in wenigen Tagen“ ihren Regierungen vorlegen. Eine endgültige Einigung solle dann spätestens Ende kommender Woche erzielt werden.

Oettinger sagte, Russland werde nicht – wie angedroht – von diesem Dienstag an den Gashahn zudrehen und auch keine Vorkasse für Lieferungen im Juni fordern. Es sei vereinbart, dass bis zur Vorlage der Pläne „für die Ukraine und die Europäische Union eine stabile Gasversorgung stattfinden wird“, sagte Oettinger. Umstritten sei die Zahlung noch offener Rechnungen für November und Dezember 2013 sowie April und Mai dieses Jahres.

Am Morgen hatte das russische Energieministerium bestätigt, dass die Ukraine 786,366 Millionen US-Dollar (etwa 576,88 Millionen Euro) überwiesen und damit einen Teil ihrer Schulden beglichen hat. Das hatte die Ukraine am Freitag bei der vorhergehenden Verhandlungsrunde in Berlin zugesichert. Russland hatte Zweifel und wollte erst nach Eingang des Geldes weiter verhandeln. Am Montagnachmittag fanden die Gespräche zwischen Oettinger, dem russischen Energieminister Alexander Nowak und seinem ukrainischen Kollegen Juri Prodan in Brüssel statt.

Umstritten ist immer noch der Preis, den Russland für Gaslieferungen vom 1. Juni an von der Ukraine fordert. Derzeit fordert Gazprom 485,5 US-Dollar für 1000 Kubikmeter Gas. Die Ukraine will wie zuletzt aber nur 268 US-Dollar bezahlen. Oettinger sagte dazu: „Der Preis wird über 268 und unter 485 Dollar liegen.“ Nach Angaben von Energiepolitikern ist Russland bereit, sich auf 380 US-Dollar zu einigen. Die Ukraine wirft Russland vor, Gas als „politische Waffe“ einzusetzen. dpa

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