Ulrich Kissing: : „Wir sind zum Erfolg verdammt“

Der Vorstandschef der Investitionsbank Berlin (IBB) darüber, wie wichtig Gründungen für Berlin sind.

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Ulrich Kissing (54) ist seit Sommer 2009 Vorstandschef der Investitionsbank Berlin, der Förderbank des Landes. Zuvor arbeitete er für die Deutsche Bank.
Ulrich Kissing (54) ist seit Sommer 2009 Vorstandschef der Investitionsbank Berlin, der Förderbank des Landes. Zuvor arbeitete er...Foto: IBB

Herr Kissing, gründen die Berliner aus der Not heraus so viele Unternehmen, oder weil sie so kreativ sind?

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mag der eine oder andere aus der Not heraus gründen. Doch überwiegend ist es der Wunsch nach Selbstständigkeit und auch das monetäre Interesse.

Viele Gründungen sind schön, aber stimmt auch die Erfolgsrate?

Oh ja. Klar gibt es auch Insolvenzen und Abmeldungen. Ein Unternehmen zu gründen ist riskant und kein Selbstläufer. Aber der Saldo ist positiv. Das können Sie auch daran sehen, dass die Berliner Wirtschaft wächst. Berlin ist in Sachen Unternehmensgründung zum Erfolg verdammt. Wir können nicht allein darauf hoffen, dass bestehende Unternehmen ihre Zentrale hierher verlegen.

Was macht erfolgreiche Gründer aus?

Dass sie markt- und kundenorientiert denken, über eine hohe Leistungsbereitschaft und Kreativität verfügen und einen langen Atem haben. Gründen ist anstrengend. Wer es wagt, verdient Respekt.

Wie unterstützen Sie Gründer?

Zunächst über den Businessplanwettbewerb, bei dem wir den neuen Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite stehen – und die Gewinner bekommen ein Startgeld. Daraus sind schon 1400 Unternehmen und 6500 Arbeitsplätze entstanden. Dann bieten wir Beratung und Coaching sowie in der nächsten Stufe unsere Kreditprogramme. Die reichen für einen Finanzierungsbedarf in der Startphase bis zu 250 000 Euro. Darüber hinaus stellen wir als Risikokapitalgeber auch Eigenkapital von bis zu drei Millionen Euro zur Verfügung – aber nur gemeinsam mit anderen Geldgebern. So holen wir nicht nur Talent sondern auch Kapital nach Berlin.

Förden Sie bestimmte Geschäftsfelder stärker als andere?

Wir unterstützen vor allem die Branchen, auf die sich das Land Berlin fokussiert, die sogenannten Cluster. Unser Risikokapital geht vor allem in die Bereiche Technologie und Kreativwirtschaft. Aber wir unterstützen auch Firmen außerhalb der Cluster. Wir treffen die Kreditentscheidung auf Grundlage der wirtschaftlichen Basis. Nur wenn Firmen erfolgreich sind, ist damit auch der Stadt gedient.

Ihr größter Flop?

Wir haben mal in zwei Spartensender investiert. Die haben wir zu 100 Prozent wertberichtigt. Dem stehen auch Tops gegenüber wie der erfolgreiche Verkauf von Gate 5 an Nokia.

Sind die Förderangebote in Berlin so attraktiv wie etwa in Hamburg oder München?

Da können wir sicher konkurrieren. Aber ich glaube nicht, dass jemand allein wegen der Förderung kommt. Da spielen andere Faktoren eine Rolle: Etwa dass Berlin nicht so teuer ist und sie hier internationale Mitarbeiter rekrutieren können.

Ulrich Kissing (54)

ist seit Sommer 2009 Vorstandschef der Investitionsbank Berlin, der Förderbank des Landes. Zuvor arbeitete er für die Deutsche Bank.

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