Wirtschaft : Ultrahocherhitzte Milch, Kekse, Suppen und Säfte

1961 gründete der 22-jährige Calisto Tanzi Parmalat

-

Die Geschichte des heute vor dem Zusammenbruch stehenden Lebensmittelkonzerns Parmalat begann 1961 im italienischen Städtchen Colecchio. Der erst 22jährige Calisto Tanzi gründete ein kleines Werk zur Milch-Pasteurisation, um Parma und Umgebung zu beliefern. Das Geschäft mit Verkäufen an der Haustür lief gut und wurde bald auch auf Genua, Florenz und Rom ausgeweitet. Der richtige Durchbruch kam aber dank dem Sinn für Innovationen wie Vitamin-C-Milch und vor allem dem gerade in Schweden erfundenen Tetra-Pak-Getränkekarton.

Parmalat setzte als Erster in Italien den neuen Milchkarton ein, der praktischer als die altgediente Glasflasche war. Die wahre Revolution kam aber 1965, als Tetra Pak das UHT-Verfahren erfand, mit dem die ultrahocherhitzte Milch monatelang ohne Kühlung haltbar ist.

Parmalat setzte schnell auf das neue Produkt, das in Italien bald mehr als die Hälfte des Marktes eroberte. 1968 gab Tanzi dem Unternehmen den Namen Parmalat und brachte es fünf Jahre später an die Börse.

In den 70er Jahren fiel Parmalat mit Werbebannern bei internationalen Sportwettbewerben wie alpinen Ski-Abfahrtsläufen und der Formel 1 auf. Der Konzern war Sponsor von Niki Lauda, als dieser 1976 seinen dramatischen Unfall hatte, mit dem Slogan „Champions Milk“ (Milch der Champions) auf dem Rennwagen. Ende der 80er förderte Tanzi den AC Parma und kaufte ihn schließlich.

Der Aufstieg zum international tätigen Konzern kam mit dem Vordringen in neue Geschäftsfelder. In den 90er Jahren kamen durch eine aggressive Expansionsstrategie Geschäfte quer durch Europa, in den USA, in Lateinamerika und Afrika hinzu. Heute beschäftigt der Konzern, der mittlerweile auch Kekse, Säfte, Mineralwasser, Suppen und Joghurt produziert, rund 36 000 Menschen in 30 Ländern. Jedoch entfielen 2002 von dem 7,5-Milliarden-Euro-Umsatz noch immer 57 Prozent auf Frischmilch. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben