Wirtschaft : Um die Preise wird heftig gefeilscht

WINFRIED MORITZ (HB)

HANNOVER .Einen Neuheitenboom wird es auf der IAA-Nutzfahrzeuge vom 3.bis 10.September nicht geben.An guter Stimmung wird es bei den meisten der 1200 Aussteller jedoch nicht fehlen.Dafür sorgen die Käufer, die seit gut einem Jahr wieder in Bestellerlaune auftreten und der europäischen Nutzfahrzeugindustrie zu rekordverdächtigen Absatz- und Umsatzzahlen verhelfen.Ganz zufrieden ist die Branche dennoch nicht.Nach wie vor werden längst nicht die Preiskonditionen vom Markt akzeptiert, die man haben möchte.Dafür gibt es Gründe: Bei den Käufern sitzt das Geld nicht locker.Die Kunden aus dem Straßengüterverkehrsgewerbe und aus anderen transportintensiven Branchen sind zwar gut beschäftigt, aber einem beinharten Wettbewerb ausgesetzt, der ihre Gewinne nach unten drückt.Es werde gefeilscht wie auf einem Basar, heißt es bei den beiden großen Herstellern Daimler-Benz und MAN.Diesem Druck kann sich kaum ein Hersteller entziehen.Heftig gedreht wird deshalb an der Kostenschraube.Mit Outsourcing-Maßnahmen, aber auch mit weiteren Automatisierungsschritten auf allen Produktionsstufen sind die Arbeitsstunden je Fahrzeug erheblich gesenkt worden.Daimler-Benz, der Marktführer unter den Lkw-Anbietern, hat kürzlich davon gesprochen, daß heute durchschnittlich nur noch 57 statt bisher fast 90 Arbeitsstunden für die Montage eines großen Lkw anfallen.Das hat die Personalkosten in der Endfertigung um etwa 30 Prozent reduziert.

Besonders in Richtung Umweltverträglichkeit hat der Lastwagen Fortschritte gemacht.So wurde die deutlich verschärfte Abgashürde Euro2 von fast allen Produzenten vorzeitig genommen.Weitere Innovationen gehen von der Elektronik aus.Fast alle modernen Triebwerke sind mit computergesteuerter Kraftstoffmengenregulierung ausgerüstet.Noch vor 30 Jahren benötigte ein Lastwagen 45 Liter Dieseltreibstoff, um eine Ladung von 10 Tonnen 100 Kilometer weit transportieren zu können.Heute sind dazu nur noch 25 Liter notwendig.In Fahrzeugen für den Straßengüterfernverkehr oder in Transportern für Auslieferungsfahrten halten außerdem Informationssysteme mit Bildschirm im Sichtfeld des Fahrers Einzug.Will der Brummifahrer beispielsweise wissen, wie die Bremsbeläge aussehen, wählt er die Anzeige Bremse und bekommt sofort die Information über die prozentuale Abnutzung der Beläge und deren Temperatur.Natürlich ist auch eine Daten- und Sprachkommunikation zwischen Fahrer und Fuhrparkdisponenten möglich, um Leerfahrten zu minimieren.

Der konsequente Einsatz dieser Möglichkeiten kann den Transportbetrieb entscheidend wirtschaftlicher machen.Eine verbesserte Wirtschaftlichkeit und Werterhaltung des Fahrzeugs versprechen die Hersteller ihren Kunden aber auch durch den Einsatz von elektronisch-pneumatischen Schaltungen, die die Gefahr einer Fehlbedienung so gut wie ausschließen und somit die Beanspruchung des Lkw ein Stück mehr vom Können, Geschick und der Tagesform des Fahrers unabhängig machen.Immerhin stehen dem Trucker in einem 40-Tonner-Lastzug bis 16 Gangstufen zur Verfügung.Greift er häufig um nur eine Gangstufe daneben, ist schnell ein Mehrverbrauch von rund drei Litern Diesel je 100 Kilometer erreicht.

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