Um Rückkehr der Schuldenkrise abzuwenden : EZB-Chef Draghi verspricht billiges Geld

EZB-Präsident Mario Draghi schickt den Euro auf Talfahrt - um die Konjunktur zu stützen. Der Schlüsselzins der Euro-Zone soll für längere Zeit auf dem aktuell niedrigen Stand bleiben. Der Dax hatte davon bereits profitiert. Ein Ende der laxen Geldpolitik ist vorerst nicht geplant.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat gut zu lachen: Der Leitzins im Euroraum bleibt auch weiterhin auf dem Rekordtief von 0,50 Prozent.
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat gut zu lachen: Der Leitzins im Euroraum bleibt auch weiterhin auf...Foto: dpa

Die drohende Rückkehr der Schuldenkrise zwingt die EZB zu ungewöhnlicher Offenheit und macht eine weitere Zinssenkung wahrscheinlich. „Der EZB-Rat geht davon aus, dass der Schlüsselzins in der Euro-Zone noch für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder auch einem niedrigeren Niveau bleibt“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag und schickte damit den Euro auf Talfahrt. Der Dax gewann deutlich. Mit anderen Worten: Die Europäische Zentralbank (EZB) legt sich für die nächste Zeit auf einen ultralaxen geldpolitischen Kurs fest, schließt niedrigere Zinsen nicht aus und betritt mit ihrer ungewohnten Klarheit Neuland wie vor ihr nur das US-Pendant Federal Reserve (Fed).

Die Notenbank werde ihren konjunkturstützenden Kurs so lange wie nötig fortsetzen, so Draghi. Zuvor hatte die EZB-Spitze beschlossen, den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent zu lassen. Der Italiener betonte, das sei „nicht die Untergrenze“. Der EZB-Rat habe „intensiv“ über eine sofortige Zinssenkung diskutiert und sei „offen für verschiedene Zinsvarianten“. Der Ausstieg aus der seit Jahren extrem lockeren Geldpolitik sei in der Euro-Zone im Gegensatz zu den USA, wo sich die Fed langsam auf ein Ende ihrer milliardenschweren Bond- Käufe und auf mittlere Sicht auch eine Zinswende vorbereitet, noch „weit entfernt“. Ähnlich hatte sich Draghi unlängst in Berlin geäußert.

Anfang Mai hatte die EZB den Schlüsselzins wegen der Rezession in weiten Teilen der Euro-Zone gesenkt. Im Juni hatte sich Draghi dann alle Optionen offen gelassen. Zuletzt hatten Hiobsbotschaften aus Portugal und Griechenland die Sorge vor einem neuen Aufflammen der Schuldenkrise entfacht. So waren die Zinsen, die Portugal am Kapitalmarkt Investoren bezahlen muss, im Zuge der Regierungskrise wieder auf mehr als acht Prozent geklettert. Auch in Griechenland droht weiteres Ungemach und eventuell ein neuerlicher Schuldenschnitt.

Die von der EZB vergangenen Sommer in Aussicht gestellten unbegrenzten Anleihe-Käufe kriselnder Staaten seien „nach wie vor ein effektiver Schutz“ vor einer Eskalation der Krise, sagte Draghi. Das entsprechende, im Fachjargon OMT genannte Programm sei startklar und könne jederzeit aktiviert werden, sollte ein Land unter den permanenten Euro- Rettungsschirm ESM schlüpfen. (Reuters)

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