Wirtschaft : Umfrage der IHK in Berlin und Brandenburg - Kammern für Fusion der Länder

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Nach Jahren negativer Stimmungsbilder und rückläufiger Wirtschaftsdaten haben sich die Konjunkturaussichten für Berlin und Brandenburg für die kommende Saison deutlich verbessert. Erstmals seit fünf Jahren überwiegen bei den Unternehmen der Region wieder die positiven Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage und den Perspektiven, wie aus dem am Donnerstag vorgestellten 6. gemeinsamen Konjunkturreport der Industrie- und Handelskammern hervorgeht.

Der Aufschwung sei zwar noch nicht so durchgreifend wie gewünscht, aber es zeichne sich eine "erfreuliche Tendenz" ab, sagte der Hauptgeschäftsführer der Berliner IHK, Thomas Hertz. Als Grund für das veränderte Stimmungsbild nannte er die Konjunkturerholung in Deutschland, die überwiegend von der Export-Wirtschaft getragen wird. Im Inland sei eine zunehmende Nachfrage bei Investitionen zu verzeichnen. Aus den 1700 ausgewerteten Rückantworten geht hervor, dass 22 Prozent der Unternehmen mit einer Zunahme ihrer Ausfuhren rechnen. Im Vergleich zum Vorjahr, das noch durch negative Vorzeichen gekennzeichnet war, sei dies eine Wende.

Die Wachstumsraten für 2000 werden von den beiden Nachbarländern jedoch unterschiedlich eingeschätzt. So steigt in Berlin das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach einer Prognose von Thomas Hertz real nur um ein bis 1,5 Prozent. Dagegen sagt Peter Egenter, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Kammern Brandenburgs, eine Steigerung des BIP von zwei bis drei Prozent voraus. Angetrieben werde die Entwicklung in Brandenburg durch die verarbeitende Industrie und den Dienstleistungsbereich. Auch in Berlin gilt die besondere Aufmerksamkeit den Dienstleistern. Mit dem Regierungsumzug hat die Hauptstadt unter allen Bundesländern bereits 1999 in diesem Teilbereich die höchsten Zuwachsraten erzielt. In ihrer Aussage mehrheitlich skeptische Firmen gibt es nur noch im Einzelhandel und beim Bau.

Die entlegenen Gebiete Brandenburgs konnten bisher jedoch nicht vom Hauptstadteffekt profitieren, sagte Egenter. Grund für das schlechtere Abschneiden der Randzonen sei der weiter anhaltende, tiefe Strukturwandel vor allem in den ländlichen Regionen. Um hier schneller voranzukommen, fordern Hertz wie auch Egenter die rasche Fusion beider Länder. Hertz: "Die Entscheidung für den politischen Zusammenschluss muss bald kommen, und sie muss unumkehrbar sein". Die Verflechtung der Wirtschaft habe zwar schon stark zugenommen, es gebe aber noch viele ungenutzte Potenziale.

Als eher verhalten werden die Konsequenzen aus der Konjunkturbelebung für den Arbeitsmarkt eingeschätzt: Nur jede siebte Firma in der Region plant für 2000 Neueinstellungen. Für Berlin werde sich der Rückgang der Erwerbstätigen aber zunehmend verlangsamen, sagte Hertz.

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