Umfrage : Ist Geiz jetzt ungeil?

Einer der populärsten Werbekampagnen - "Geiz ist geil" - steht offensichtlich vor dem Aus. Die aggressive Botschaft schien schnell zum Lebensmotto einer ganzen Gesellschaft zu avancieren. Was meinen Sie, war Geiz gestern? Von Irja Most

Geiz scheint offenbar seine bejubelte Geilheit zu verlieren: Die viel diskutierte Werbekampagne der Elektronikkette Saturn wird nach Informationen des "Handelsblatts" eingestellt. Genervte Verbraucher dürfen sich aber noch nicht zu früh freuen, denn die Berliner Werbeagentur Scholz & Friends soll eine Nachfolger-Kampagne austüfteln. Branchenkenner vermuten, dass die "Geizomanie" mit dem neuen Konzept nicht stirbt, sondern weiterentwickelt wird.

Die "Geiz ist geil"-Kampagne sorgte deutschlandweit für Aufsehen - schien sie doch mehr als ein Verkaufskonzept zu sein und für die Mentalität einer ganzen Gesellschaft zu stehen. Zusammenraffen, hamstern, sparen - am besten alles umsonst absahnen. In Zeiten von Hartz IV, schwächelnder Konjunktur und viral grassierender Zukunftsangst traf sie offenbar den Nerv der Verbraucher.

Die aggressive Marketing-Strategie, die Saturn und auch Media Markt fahren, der ebenfalls zur Metro-Gruppe gehört, ging auf. Die Botschaften "Geiz ist geil!" und "Ich bin doch nicht blöd" haben nach Angaben des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Media-Saturn-Holding GmbH, Leopold Stiefel, zu einem Bekanntheitsgrad von fast 100 Prozent geführt: "Ergebnisse der Marktforschung belegen, dass Media Markt die Werbung macht, an die sich die meisten Verbraucher in Deutschland erinnern" so Stiefel. Media Markt und Saturn gehörten 2006 zu den stärksten Wachstumstreibern des Konzerns.

Kritik von Verbraucherschützern und Experten

Experten sehen die Hardcore-Spar-Philosophie kritisch. Sie befürchten einen ruinösen Wettbewerb, bei dem die Einzelhändler auf der Strecke bleiben, weil sie bei derart marktschreierischen Werbeversprechen nicht mithalten können. Daneben weisen sie darauf hin, dass ein übermäßiges Sparverhalten die Volkswirtschaft im Ganzen schwächt.

Verbraucherschützern ist die Vorgehensweise von Media Markt und Saturn ebenfalls seit längerem ein Dorn im Auge. Jüngst konnten sie einen Teilsieg im Kampf gegen so genannte Lockvogelangebote erringen. Das Landgericht Ingolstadt will in einem Beweisbeschluss prüfen, ob der Vorwurf der "Irreführenden Lockvogelwerbung" der Verbraucherzentrale Bundesverband zutrifft. In einer bundesweiten Werbeaktion war ein DVD-Player für 19 Euro angeboten worden. Die Kaufwilligen, die darauf in die Media Märkte strömten, fanden sich zu ihrer Überraschung vor leeren Regalen wieder. Nach dem Gesetz zum unlauteren Wettbewerb muss der beworbene Artikel aber zwei Tage vorrätig sein.

Im Zusammenhang mit diesem Fall will das Gericht zudem feststellen, ob neben der Holding auch die Media Markt Systemzentrale GmbH zur Verantwortung zu ziehen ist. Mit einem Urteil ist im Herbst zu rechnen. Offenbar ist eben doch nicht alles Gold, was mit Geiz glänzt.

Ihre Meinung ist gefragt: Sind die Zeiten, in denen Geiz geil war, vorbei? Sorgt der konjunkturelle Aufschwung für einen Mentalitätswechsel in der Gesellschaft? Oder geht die Pfennigfuchser-Philosophie weiter - nur mit neuen Slogans? ()

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