Umfrage von IBB und Creditreform : Berlins Mittelstand im Stimmungshoch

So gut waren die kleinen und mittelgroßen Berliner Unternehmen noch nie gestimmt: Umsätze, Gewinne und Beschäftigung steigen. Doch im KMU-Report 2015 findet sich nicht nur Optimismus.

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Starke IT-Szene. Es hat sich herumgesprochen, dass Berlin ein attraktiver geworden Standort ist - nicht nur für Unternehmen wie Rocket Internet.
Starke IT-Szene. Es hat sich herumgesprochen, dass Berlin ein attraktiver geworden Standort ist - nicht nur für Unternehmen wie...Foto: dpa/Jens Kalaene

Von einer „Berliner Sonderkonjunktur“ will Jürgen Allerkamp nicht sprechen. Noch nicht. „Wenn sich der positive Trend aber so fortsetzt, würde ich es so nennen“, sagte der Chef der Investitionsbank Berlin (IBB) am Mittwoch in Berlin. Zusammen mit Creditreform-Präsident Christian Wolfram präsentierte Allerkamp den KMU-Report 2015, das Stimmungsbarometer des Mittelstands, das 80 Prozent der Berliner Wirtschaft abbildet. Anders als der seit Januar amtierende IBB-Chef ließ sich Wolfram zu mehr Pathos hinreißen: „Berlin hat perfekte Standortfaktoren“, sagte er. „Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass es vorwärts geht.“ Die Stärken des Standorts – herausragende Wissenschaftler, preiswerte Mieten und Dienstleistungen – hätten sich herumgesprochen.

64 Prozent bezeichnen ihre Geschäftslage als sehr gut oder gut

Aus dem spröden Zahlenwerk des KMU-Reports lässt sich tatsächlich ein sehr positives Stimmungsbild ableiten: Fast zwei Drittel der befragten Berliner Mittelständler (64 Prozent) bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut – so viele wie noch nie. Auch der Anteil der Betriebe, die Umsätze, Gewinne und Beschäftigung gesteigert haben, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insbesondere im Baugewerbe ist die Geschäftslage sehr gut. 53 Prozent der Betriebe meldeten steigende Umsätze, knapp 45 Prozent haben mehr verdient – eine Folge des billigen Baugelds und Baubooms in der Bundeshauptstadt. Verhalten ist dagegen die Lage im Handel.

Optimismus in Zahlen. Ausgewählte Ergebnisse des KMU-Reports.
Optimismus in Zahlen. Ausgewählte Ergebnisse des KMU-Reports.Foto: null

„Die Berliner Wirtschaft befindet sich im Stimmungshoch“, sagte Christian Wolfram. Auch im Vergleich zum Bundesdurchschnitt beurteilten die Firmen derzeit ihre Lage optimistischer. IBB und Creditreform hatten für das KMU-Barometer knapp 1800 Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten und maximal 50 Millionen Euro Umsatz befragt. Etwa die Hälfte der Firmen ist älter als 20 Jahre.

Der Optimismus speist sich auch aus den günstigen Rahmenbedingungen, etwa den niedrigen Kreditzinsen. „Wer es jetzt nicht schafft, schafft es nie“, sagte IBB-Chef Allerkamp mit Blick auf die aktuellen Finanzierungskonditionen. Während der Wettbewerb unter den Geldhäusern immer schärfer und deren Risikobereitschaft angesichts schrumpfender Margen immer höher werde, könnten sich die Unternehmen über ideale Kreditkonditionen freuen. „Finanzieren war noch nie so leicht“, meinte Allerkamp. Dennoch habe die Investitionsneigung auf hohem Niveau leicht nachgelassen. 63 Prozent der befragten Betriebe planten dabei Erweiterungsinvestitionen. Der Investitionsstau habe sich offenbar aufgelöst.

Fachkräfte fehlen und der Job-Effekt ist klein

Wenn auch das Gesamtbild Zuversicht vermittelt, bleiben doch Sorgen: der Fachkräfteengpass, die (vor allem im Baugewerbe) dünne Eigenkapitaldecke, der relativ moderate Beschäftigungseffekt. Acht von zehn neuen Jobs würden mit Zugezogenen besetzt, sagte IBB-Chef Allerkamp. „Die Berliner Sockelarbeitslosigkeit geht nur leicht zurück – das ist ein trauriger Befund.“ Auch bei den Innovationen vermisst Allerkamp etwas: 53 Prozent der Unternehmen gaben an, dass neue Produkte und Angebote für sie die größte Bedeutung hätten, nur 5,8 Prozent halten innovative neue Produktionsverfahren für zentral. „Das halte ich für zu gering“, sagte der IBB-Chef. Gerade in Zeiten der Digitalisierung und von Industrie 4.0 seien neue Verfahren für kleine und mittlere Unternehmen wichtig, um im Wettbewerb zu überleben. Auch sei bei 80 Prozent der Befragten das Innovationsmanagement Chefsache. „Hier müssen die Betriebe noch stärker ihre Belegschaften antreiben“, sagte Allerkamp.

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