Wirtschaft : Umfrage: Weniger Gewinn für deutsche Großkonzerne

jkn

Die Gewinne deutscher Unternehmen sind im ersten Quartal 2001 zum Teil deutlich zurückgegangen. So gaben die Erträge der 30 im Dax notierten Gesellschaften nach Berechnungen des Handelsblatts im Schnitt um rund 23 Prozent nach. Noch schlimmer traf es den Technologiesektor. Die bereits im ersten Quartal des Vorjahres negative Ertragsbilanz der Nemax-50-Unternehmen hat sich noch mal verschlechtert. Im Vergleich zum Vorjahresquartal haben sich die Verluste der Hochtechnologiefirmen fast verzehnfacht.

Analysten sagen den Tiefpunkt in der Gewinnentwicklung deutscher Unternehmen für das laufende Vierteljahr voraus. "Wir werden das Tal mit dem zweiten Quartal erreicht haben", prognostiziert etwa Kai Franke, Leiter des Investment Research der BHF Bank. Nach einer leichten Aufhellung in der zweiten Jahreshälfte rechnet Franke jedoch erst für 2002 mit einer durchgreifenden Verbesserung der Unternehmensgewinne. Allerdings: "An ein Gewinnwachstum von 13 bis 15 Prozent, wie es bislang für Europa und die USA für das kommende Jahr prognostiziert wird, glaube ich nicht. Es werden eher zehn Prozent werden", so Franke.

Für das laufende Quartal erwarten die Analysten weitere Negativmeldungen: Die Experten der Deutschen Bank fürchten "mit der im Juni einsetzenden Phase der Gewinnwarnungen bezüglich des zweiten Quartals eine erneute Unsicherheit". Dennoch bleiben Analysten gelassen. Die Firmengewinne hätten sich im Rahmen des europäischen und weltweiten Trend entwickelt. Negative Überraschungen habe es kaum gegeben. Für das Gesamtjahr 2001 rechnen viele Experten eher mit einem Nullwachstum.

Im Dax verzeichneten vor allem Chemiewerte im ersten Quartal zweistellige Einbußen beim operativen Ergebnis, auch wenn der Quartalsüberschuss wegen außerordentlicher Erträge wie etwa bei BASF ein besseres Bild vorspiegelt. "Das war ein europaweiter Trend", erklärt Franke. Die Banken litten weltweit unter dem zum Erliegen gekommenen Geschäft mit Börsengängen und Fusionen. Auch die Gewinne von Technologieunternehmen wie Infineon oder Epcos sind nach Ansicht der Analysten in ähnlichem Umfang wie etwa bei der französischen Konkurrenz Alcatel gesunken. Gleichzeitig hat sich das ökonomische Umfeld in Deutschland im ersten Quartal schlechter entwickelt als erwartet. "Wir haben gerade unsere Erwartung für das Wachstum des Sozialprodukts in Deutschland von 1,8 auf 1,2 Prozent reduziert", sagte Franke. Diese Phase der europaweiten Korrekturen sei noch nicht abgeschlossen.

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