Umfrage zur Ökonomie : Jugendliche wollen Wirtschaft lernen

Die Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken zeigt: Junge Menschen wünschen sich mehr ökonomische Bildung an Schulen. Experten warnen vor Einflussnahme durch Lobbyverbände.

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Wer weiß, was an der Börse passiert? In den Schulen soll mehr Ökonomie gelehrt werden.
Wer weiß, was an der Börse passiert? In den Schulen soll mehr Ökonomie gelehrt werden.Foto: dpa

Was ist eine Rendite? Wer ist in der EU für die Sicherung der Preisstabilität verantwortlich? Diese Fragen können laut der aktuellen Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) nur weniger als die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland beantworten. Was eine Aktie ist, wissen immerhin fast 80 Prozent der Leute zwischen 14 und 24 Jahren. 32 Prozent geben an, keine Ahnung zu haben, was an der Börse geschieht.

Um diese Wissenslücken zu füllen, fordern Experten seit Jahren, dem Thema Wirtschaft deutlich mehr Platz im Lehrplan einzuräumen. „Schüler müssen zu kompetenten Verbrauchern erzogen werden“, sagt Vera Fricke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Dabei müssten Kompetenzen vermittelt werden, die für den Alltag der jungen Leute wichtig seien. „Dazu zählt: Was brauche ich, um mir eine Wohnung zu finanzieren? Welche Versicherungen brauche ich? Wie plane ich meine Altersvorsorge?“

Wirtschaft sei Teil der Gesellschaft und dürfe nicht isoliert betrachtet werden. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass Wirtschaftsverbände zu viel Einfluss nehmen könnten. Daher müssten ökonomische Themen fächerübergreifend gelehrt werden.

Ein eigenes Fach oder fächerübergreifend?

Mit ihren Bedenken ist sie nicht alleine. Vor allem Sozialwissenschaftler verweisen auf die Gefahr der Einflussnahme von Lobbyverbänden. Um das zu unterbinden, sollten Wirtschaftsthemen weiterhin in sozialwissenschaftlichen Fächern beheimatet bleiben. Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bankenverbands, ist auf diese Kritik vorbereitet. Sein Verband unterstütze zwar die Wirtschaftsbildung an Schulen, etwa durch das Bereitstellen des Online-Portales „Wirtschaft für den Unterricht“ für Lehrkräfte oder durch Wirtschaftsplanspiele für Schüler. „Aber wir verzichten selbstverständlich auf jegliche Werbung.“

Der Oldenburger Professor für ökonomische Bildung, Dirk Loerwald, findet die Bildungsförderung durch Kooperationspartner von außen „grundsätzlich wünschenswert“. „Das gibt es bei den MINT-Fächern ja auch. Aber auch hier müssen Regeln gelten: Themen dürfen nicht einseitig dargestellt werden, und es darf keine konkreten Produktempfehlungen geben.“ Solange niemand versuche, die Schülerinnen und Schüler zu indoktrinieren, könne das nur gut sein.

„Von einer bundeseinheitlichen Situation sind wir noch weit entfernt“

Bislang wird das Thema Wirtschaft an vielen deutschen Schulen nur oberflächlich behandelt. Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg will ab dem Schuljahr 2016/2017 vorpreschen. Dann soll an allen Schulen das neue Fach „Wirtschaft Berufs- und Studienorientierung“ gelehrt werden. In Nordrhein-Westfalen gab es bereits einen ähnlichen Versuch an Realschulen, der jedoch wieder eingestellt wurde. „Von einer bundeseinheitlichen Situation sind wir noch weit entfernt“ sagt Dirk Loerwald.

Für die Jugendstudie des Bankenverbands, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, hatte die Gesellschaft für Konsumforschung 651 junge Menschen zu den Themen Wirtschaftsverständnis, Finanzkultur und Digitalisierung telefonisch befragt.

Lesen sie hier unsere Serie in elf Teilen: Basiswissen für junge und nicht mehr ganz so junge Verbraucher. Fürs Leben lernen.

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