Umgang mit Arbeitnehmern : Schlecker will sich bessern

Deutschlands größte Drogeriekette will ihren miserablen Ruf in Sachen Arbeitnehmerrechte aufpolieren. Schlecker bemüht sich mit neuen Regeln um mehr Fairness im Umgang mit seinen Angestellten.

Johannes Wagemann
Neue Töne. Lars und Meike Schlecker wollen die Kultur in ihrem Unternehmen verändern.
Neue Töne. Lars und Meike Schlecker wollen die Kultur in ihrem Unternehmen verändern.Foto: dpa

Ehingen - Schlecker verordne den leitenden Mitarbeitern in einem Regelwerk mehr Fairness im Umgang mit den Angestellten, sagten die Konzern-Mitinhaber Meike und Lars Schlecker am Mittwoch.

Die Gewerkschaft Verdi hatte Schlecker immer wieder vorgeworfen, gerade Mitarbeiterinnen kleiner Filialen zu drangsalieren. Zudem war das Unternehmen unter anderem durch eine Leiharbeitsaffäre unter Druck gekommen: Ende 2009 hatte Verdi Schlecker vorgeworfen, Mitarbeiter beim Wechsel in neue Filialen in Zeitarbeitsverträge mit schlechteren Stundenlöhnen zu drängen. Der Streit wurde 2010 beigelegt - nun werden alle Mitarbeiter nach Branchentarifvertrag entlohnt.

Das neue Regelwerk enthält konkrete Anweisungen – etwa, Mitarbeiter nicht schon bei einem Zuspätkommen abzumahnen. Auch sollten Betriebsräte bei Konflikten frühzeitig eingebunden werden. Die leitenden Mitarbeiter der Kette werden ab Ende Mai geschult. Sollten sie sich später nicht an die Regeln halten, könnten auch Sanktionen folgen, sagten die beiden Kinder von Unternehmensgründer Anton Schlecker. In dem Regelwerk ist etwa zu lesen: „Kontrollen dienen nie der Schikane, sondern sind eine Hilfestellung in der Zusammenarbeit von Führungskräften und Beschäftigten.“ Schlecker beschäftigt in Deutschland rund 34 000 Mitarbeiter, europaweit sind es etwa 47 000.

„Wie ernst es uns mit diesem ganzen Regelwerk ist, sieht man auch daran, dass wir zum ersten Mal so richtig auf Verdi zugegangen sind, sie mit ins Boot genommen und nach ihrer Meinung gefragt haben“, betonte Meike Schlecker. Die Gewerkschaft äußerte sich zufrieden über die neuen Grundsätze, die ihr vorab vorgelegt wurden: „Das ist das erste Mal, dass ich bei Schlecker nachvollziehbare Managementmethoden erkenne“, sagte Achim Neumann, der zuständige Verdi-Handelssekretär. Bislang sei die Drogeriekette mit Methoden aus den 1970er Jahren geleitet worden.

Nun müssten die Regeln aber zügig umgesetzt werden. „Es steht auf dem Papier, aber noch sind das nur Absichtserklärungen“, mahnte Neumann. Doch erkenne er an: „Das, was früher eingeklagt werden musste, gibt es jetzt.“

Das Regelwerk ist nach Ansicht der zweiten Schlecker-Generation ein notwendiger Teil des laufenden Umbaus des Konzerns, dessen Konkurrenten dm und Rossmann immer stärker aufholen. Auch dieses Jahr wolle die defizitäre Kette nochmals bis zu 700 von derzeit rund 7800 Filialen in Deutschland schließen, sagte Lars Schlecker. Die rund 3000 Auslandsfilialen liefen aber gut.

Im vergangenen Jahr hatte Schlecker europaweit rund 6,55 Milliarden Euro umgesetzt, nach rund 7,2 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Zur Höhe der Verluste machte das Unternehmen keine Angaben – 2012 soll die Wende geschafft werden. dpa

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