Wirtschaft : Umjubelte Premiere

Abosender feiert Börsendebüt/Altaktionäre kassieren 900 Millionen Euro/Sender-Chef Kofler: Ein Start, den man sich erträumt

Rolf Obertreis,Henrik Mortsiefer

Frankfurt am Main/Berlin - Der Abosender Premiere ist mit einem Kurssprung an der Frankfurter Börse gestartet. Die Aktie notierte am Mittwoch zum Auftakt bei 30,50 Euro – deutlich über dem Ausgabepreis von 28 Euro. Bis zu Börsenschluß wurde der Kurs sogar auf 31,80 Euro gesteigert – obwohl die Börse insgesamt ab dem Nachmittag ins Minus drehte. „Das ist ein Start, den man sich erträumt“, sagte Premiere-Vorstandschef Georg Kofler.

Mit dem Börsengang fließen Premiere netto 308 Millionen Euro zu, die vor allem zum Abbau der Schulden verwendet werden. Der Rest des Gesamterlöses von 1,18 Milliarden Euro geht an den Finanzinvestor Permira, an die Banken und an Kofler selbst. Kofler hält künftig noch 13,9 Prozent an Premiere, Permira 23,6 Prozent. Rund 51 Prozent der Papiere sind nach dem Börsengang breit gestreut.

Nach fast fünf Jahren gab es bei einer Neuemission erstmals wieder eine deutliche Überzeichnung des Angebots. 42,1 Millionen Aktien hat Premiere ausgegeben, dafür lagen Aufträge für 525 Millionen Aktien vor, womit die Emission um das 12,3-fache überzeichnet war. Premiere wurde am ersten Handelstag an der Börse mit rund 2,5 Milliarden Euro bewertet und damit halb so hoch wie die Lufthansa. ProSiebenSat1 ist rund 1,7 Milliarden Euro wert.

Premiere-Chef Kofler hob hervor, dass die Aktie bei Privatanlegern stark gefragt war. Sie erhalten 30 Prozent der Aktien. Orders von Premiere-Kunden werden zu 75 Prozent erfüllt, die anderer Privatanleger zu 42 Prozent. Kofler sieht gute Chancen, dass die Premiere-Aktie schon in der zweiten Jahreshälfte in den M-Dax, das wichtige Börsensegment für mittelgroße Unternehmen, aufgenommen wird. Aus dem Nettoerlös wird Premiere die Schulden von derzeit 370 auf unter 100 Millionen Euro herunterfahren. „Damit haben wir eine kerngesunde Finanzstruktur und eine starke Bilanz“, sagte Kofler. Premiere habe neuen Spielraum, das Programm kontinuierlich zu verbessern.

Vom Börsenerlös müssen die Münchner allerdings – wie zuvor vereinbart – auch 17,4 Millionen Euro an die Deutsche Fußballliga überweisen.

Noch Mitte 2002 stand auch Premiere mit der Pleite der Kirch-Gruppe vor dem Aus. „Wir haben geschafft, was vor drei Jahren keiner für möglich gehalten hatte“, sagt Kofler. Die Rettung für Premiere kam durch die Übernahme durch Permira im Februar 2003. Ende 2004 hatte Premiere rund 3,25 Millionen Abonnenten. Bei einem Umsatz von 985 Millionen Euro schrieb das Unternehmen erstmals in seiner 14-jährigen Geschichte operativ schwarze Zahlen. Allerdings blieb unter dem Strich ein Minus.

Nicht nur Kofler bewertete den Börsengang positiv. „Das ist extrem gut gelaufen“, sagte Norbert Kretlow, Analyst bei Independent Research, dem Tagesspiegel. Trotz des überraschend hohen Emissionspreises von 28 Euro („22 Euro wären auch plausibel gewesen“) habe der Markt Premiere bei einem Börsenwert von 2,5 Milliarden Euro „Vorschusslorbeeren“ mit auf den Weg gegeben. Zum Vergleich: Der erfolgreiche britische Abo-Sender BSkyB wird mit rund 15 Milliarden Euro an der Börse bewertet. BSkyB hat einen Marktanteil von 40 Prozent auf seinem Heimatmarkt, Premiere ist in acht Prozent der deutschen und österreichischen Haushalte vertreten. „Gemessen am heutigen Kurs und an den für 2006 vorausgesagten Gewinnen ist der Markt im Augenblick bereit, mehr für Premiere als für BSkyB zu bezahlen“, sagte Kretlow, der dem deutschen Abosender mittelfristig einen Marktanteil von zehn bis zwölf Prozent zutraut.

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