Wirtschaft : Umsätze weiter rückläufig - hohe Kosten bei Euro-Umstellung erwartet

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Das Geschäft der Spielautomaten-Branche schrumpft. "Es besteht Anlass zu tiefer Sorge", sagte Paul Gauselmann, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Automatenindustrie (VDAI), am Dienstag. In den 90er Jahren sei das Marktvolumen für Unterhaltungsautomaten um mehr als 50 Prozent gesunken. Allein 1999 schlage mit minus 8,1 Prozent zu Buche. Im gleichen Jahr setzte die Branche 7,2 Milliarden Mark oder acht Prozent weniger als 1998 um. Dem Trend folgend bauten viele der 6000 Unternehmen Arbeitsplätze ab.

Aufgrund von negativen Erfahrungen in den 80er Jahren, verschärfte der Gesetzgeber 1989 die Regelungen für die Aufstellung von Münzspielautomaten. Gleichzeitig wurde die Vergnügungssteuer für diese Automaten drastisch erhöht, pikanterweise nicht im gleichen Maße wie für öffentlich betriebene Glücksspiele wie Lotto oder Casinos.

Mit diesen schlechten Vorgaben öffnet in Nürnberg an diesem Mittwoch die internationale Automatenmesse IMA ihre Tore. In deren Vorfeld zeigte sich verhaltener Optimismus, da von Seiten der Politik eine höhere Akzeptanz signalisiert wird. Eine aktuelle Studie des Münchner ifo-Instituts kommt allerdings zu dem Schluss, dass für das Jahr 2000 im besten Fall mit stagnierenden Umsätzen zu rechnen sei. Wachstumspotenzial sei lediglich bei technisch anspruchsvolleren Spielautomaten ohne Geldgewinne auszumachen. Automaten mit Geldgewinnen seien wegen zu vieler staatlicher Regulierungen immer unattraktiver geworden. Während der maximale Verlust pro Stunde in Deutschland bei 96 Mark und der maximale Gewinn bei 960 Mark liege, seien die Vergleichszahlen in Spanien 423 Mark zu 126 954 Mark. Gleichzeitig sei in Deutschland auch die Mindesspielzeit stark reglementiert.

Hohe Belastungen kommen im Zuge der Euro-Einführung auf die Automatenbetreiber zu. Die Umrüstung der etwa 2,4 Millionen Automaten in Deutschland dürfte nach Angaben der Informationsgemeinschaft Münz-Spiel (IMS) und des VDAI mehr als eine Milliarde Mark kosten, davon allein 150 Millionen Mark bei den verschiedenen Unterhaltungsgeräten. In Österreich musste wegen der hohen Kosten bereits ein Traditionsunternehmen aufgeben.

Marktführer in Deutschland ist die Gauselmann AG aus Espelkamp, die sowohl Spielautomaten herstellt als auch Spielhallen betreibt. Als Reaktion auf den schrumpfenden deutschen Markt drängt das Unternehmen verstärkt auf ausländische Märkte. Selbst in Russland und dem Spielerparadies Las Vegas hängen mittlerweile Geräte der Gauselmann-Gruppe. Die beiden nächstgrößten Firmen sind die Bally Wulff GmbH aus Berlin und die Unternehmensgruppe NSM/Löwen aus Bingen am Rhein. Zusammen setzen diese drei über eine Milliarde Mark um.

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