Wirtschaft : Umschichtungen möglich

KATHRIN ROSEMANN

Die Anleger scheiden sich in Skeptiker und Befürworter des EuroVON KATHRIN ROSEMANNFür Kapitalanleger ist es wichtig, eine Anlagestrategie zu entwickeln, die eine pragmatische Symbiose zwischen den entstandenen Realitäten und der persönlichen Einstellung zum Euro darstellt.Auf Grund seiner Erwartungen gegenüber dem Euro lassen sich zwei Typen unterscheiden, die von zwei diametral entgegengesetzten Szenarien bei der Währungsunion ausgehen.Bei den sogenannten Euro-Skeptikern unter den Anlegern, die im wesentlichen von einem "instabilen Euro" ausgehen, stellt sich auch das gesamte volkswirtschaftliche Umfeld eher negativ dar. Zusammengefaßt bedeutet ein schwacher Euro Inflation, steigende Zinsen, rückläufige Investitionstätigkeit und damit Drosselung oder gar Aufhebung des konjunkturellen Aufschwunges.In diesem Zusammenhang gehen die Euro-Skeptiker von einem realen Wertverlust ihrer Kapitalanlagen aus und suchen die sichere werthaltige Alternative.Kennzeichnend für die Portfoliostrukturen der von diesem Szenario überzeugten Anleger sollten somit ein hoher Immobilienanteil, Anlagen in US-Dollar und ein niedriger Aktienanteil insbesondere in Europa sein. Um den Immobilienanteil des Portfolios abzudecken, kann der Anleger verschiedene Möglichkeiten nutzen, wobei verschiedene Kriterien bei der Auswahl einfließen sollten.Dazu gehört der Umfang des Portfolios, die steuerliche Seite und im wesentlichen die persönliche und familiäre Situation des Anlegers. Offene Immobilienfonds wie der "Grundbesitz Invest" lassen sich grundsätzlich jedem Depot als Basis beimischen.Sie dienen aber auch langfristig über Investmentsparpläne ausgezeichnet der Vermögensbildung.Ein besonderer Steuereffekt ergibt sich aus dem niedrigen, der Kapitalertragssteuer unterliegenden Ertragsanteil.Geschlossene Immobilienfonds können sowohl aus Renditeerwägungen als auch zur Minderung der Steuerlast als sichere Basis in ein Portfolio integriert werden. Wem diese Anlageformen zu abstrakt sind und wer dennoch eine wertbeständige, renditesichere oder nützliche Anlage sucht, sollte insbesondere bei der aktuellen Zinssituation und den gewährten, staatlichen Förderungen verstärkt über den Erwerb einer Immobilie nachdenken. Bei der Umschichtung von DM-Anlagen in Dollar ist das Risiko in Form von Währungsverschiebungen und Zinsänderungen trotz der skeptischen Erwartungshaltung kritisch zu überprüfen.Besonders konservative Anleger sollten Anleihen mit kurzer Restlaufzeit oder besser Fonds auf Dollarbasis im Geldmarkt oder im geldmarktnahen Bereich bevorzugen, um auf mögliche Zinsänderungen oder veränderte Rahmenbedingungen bei den Wechselkursrelationen kurzfristig reagieren zu können.Die Investition in Aktien ist gering zu halten und regional auf den Nicht-Euro-Bereich zu beschränken. Der Eurobefürworter geht von einem stabilen Euro aus.Das Szenario zeichnet optimale Bedingungen für den konjunkturellen Aufschwung der europäischen Volkswirtschaften und deren Unternehmen.Die Europäische Union schickt sich an, der größte Binnenmarkt der Welt zu werden.Der neue europäische Aktienmarkt wird weltweit der zweitgrößte nach den USA.Die Stabilitätskriterien fordern niedrige Inflation und Zinsen, und somit günstige Voraussetzungen für unternehmerische Tätigkeit und Investitionen.Gleichzeitig sparen die Unternehmen Kosten, die aus den Wechselkursrisiken resultierten. Um diese Vorteile der Währungsunion richtig zu nutzen, sollte die Depotstruktur je nach Risikoaversion einen hohen Aktienanteil besonders europäischer Aktien aufweisen.Die Diversifizierung der Investitionen über verschiedene Länder und Währungen tritt durch den Euro in den Hintergrund. Im Rentenbereich des Portfolios besteht weniger Handlungsbedarf.Sogenannte "Zinsspreads" bestehen aufgrund der Kursentwicklung der Anleihen der Eurokanditaten kaum noch.Hier sind aus Renditeerwägungen vielmehr die "nichterstklassigen" Emittenten interessant.Zur Minderung des dabei vorhandenen Risikos bietet sich ein Fonds an, da selbiger eine breitere Streuung erreicht.Geht man als Eurobefürworter davon aus, daß Großbritannien in den nächsten Jahren zum Euro gehören wird, kann man hier noch vorhandene Zinsdifferenzen nutzen, die im Zuge des Beitritts über Kursentwicklungen ausgeglichen werden.Währungsrisiken müssen dabei berücksichtigt werden. Die Asset-Allocation auf der Aktienseite des Portfolios konzentriert sich zum einen auf die Neuausrichtung von Ländern auf Branchen und zum anderen auf Qualität.In der Übergangsphase sollten reine Länderfonds in breiter gestreute europäische Fonds getauscht werden.Breit gestreute, landesspezifische Anlagen in Einzelaktien sollten sukzessive in europäische Qualitätsaktien umgeschichtet werden.Besonders interessant sind dabei die in die neuen Indizes aufgenommenen Aktienwerte.Mit einem Investment in konkret zukunftsweisende Branchen wie den Pharma-, Medien- und High-Tech-Bereich läßt sich eine breite internationale Streuung erreichen. Die Umschichtung bietet sich an, da gegenwärtig mehrheitlich Kursgewinne realisiert werden können.Möchte man bereits jetzt an der Entwicklung der neuen Indizes teilhaben, bietet sich ein Investment in Index-Partizipationszertifikaten an. Die Autorin ist Mitarbeiterin im Privaten Anlage-Management der Deutschen Bank.

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