Umstrittene Führung : Erneut Streit zwischen Conti und Schaeffler

Die Atempause für den Automobilzulieferer Continental währte nur kurz. Wenige Tage vor der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch zeichnet sich mit Großaktionär Schaeffler ein neuer Kampf um die Macht ab. Die Führung der Dachgesellschaft ist umstritten.

Hamburg / MünchenHeftig umstritten ist, ob Jürgen Geißinger, Chef des fränkischen Familienunternehmens Schaeffler, oder ob der Vorstandsvorsitzende von Continental, Elmar Degenhart, die geplante gemeinsame Dachgesellschaft für beide Unternehmen führen. Beide wollen den Spitzenposten.

Damit droht ein seit fast zwei Jahren schwelender Streit zwischen Conti und Schaeffler wieder auszubrechen. Im Sommer 2008 hatte der Wälzlagerspezialist Schaeffler, ein bis dahin extrem verschwiegener Konzern aus Herzogenaurach, versucht, die börsennotierte Continental AG feindlich zu übernehmen. Der erste Anlauf scheiterte, inzwischen kontrolliert Schaeffler 75 Prozent des Conti-Kapitals, hat sich dafür aber hoch verschuldet. Continental selbst trägt schwer an der eigenen Schuldenlast.

Beide Unternehmen arbeiten derzeit weitgehend getrennt. Die neue Dachgesellschaft soll das ab 2011 ändern. Die meisten der 59 Conti-Gläubigerbanken setzten auf Degenhart und dessen Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Reitzle, im Hauptberuf Chef von Linde. Das Führungsduo soll nach dem Willen der Banken künftig den integrierten Konzern aus Conti und Schaeffler lenken.

Eine erneute Machtprobe gefährde die Restrukturierung, befürchten die Gläubiger. Für Conti steht dabei viel auf dem Spiel. Im Mai will der Konzern bis zu zwei Milliarden Euro frisches Geld einsammeln. Degenhart muss insgesamt acht Milliarden Euro umschulden, die 2012 fällig werden. Das Familienunternehmen Schaeffler, das sich 2009 fast an der Übernahme der börsennotierten Continental AG übernommen hätte, drückt eine Kreditlast von gut zwölf Milliarden Euro. Gegen einen Risikoaufschlag stunden die Banken Schaeffler die Zinsen.

Im kommenden Jahr wollen die Zulieferer fusionieren. Die Franken wandeln sich als Zwischenschritt in eine Aktiengesellschaft um. Dem 20-köpfigen Aufsichtsrat sollen Ex-Schering-Chef Hubertus Erlen oder Eigentümer Georg Schaeffler vorstehen.

Vor allem die Banken forcieren die Integration der Unternehmen, um die Kredite besser zu verteilen: Schaefflers Nettoschulden übersteigen das Sechsfache des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Contis Schulden erreichen rund das Vierfache des Ebitda. Das Vertrauen des Marktes hat er: Seitdem bekannt wurde, dass Reitzle den Aufsichtsrat führt, legte der Aktienkurs von weniger als 27 Euro auf zuletzt mehr als 41 Euro zu. mcs/ax (HB)

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