Wirtschaft : Umstrittener Pakt

DGB betont Ausbildungslücke, Wirtschaft zufrieden

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Berlin Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DBG) gesteht dem Ausbildungspakt von Regierung und Wirtschaft einen positiven Effekt zu. Gleichzeitig wies der DGB am Dienstag aber auf den Rückgang betrieblicher Ausbildungsplätze hin. Das gesamte Angebot betrieblicher Lehrstellen habe im Dezember 2004 um sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. „Die rechnerische Lücke an betrieblichen Ausbildungsplätzen beträgt 133510 und ist somit um rund 28500 Stellen größer als noch im Dezember 2003“, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock in Berlin.

Bundesregierung, Spitzenverbände der Wirtschaft sowie die Bundesagentur für Arbeit (BA) sprachen dagegen anlässlich der jüngsten Arbeitsmarktdaten von einem großen Erfolg des Paktes. Im vergangenen Sommer hatte sich Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) mit DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun auf einen Ausbildungspakt geeinigt, um die von den Gewerkschaften geforderte Ausbildungsumlage zu verhindern und die Zahl der Lehrstellen zu erhöhen. „Dieser Ausbildungspakt war und ist ein Erfolg“, sagte Clement.

Den Angaben zufolge waren Ende des Jahres noch rund 15000 Bewerber ohne Lehrstelle, drei Monate zuvor lag diese Zahl noch um 30000 höher. Alles in allem seien bis Ende September knapp 573000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, 15000 mehr als vor einem Jahr. In Berlin sind derzeit noch von den Jugendlichen, die im September eine Ausbildung beginnen wollten, rund 1900 unversorgt. Für das neue Ausbildungsjahr 2005 haben die Arbeitsagenturen derzeit 5200 Plätze in Berlin registriert, das sind 200 weniger als Anfang Januar 2003.

Wie es weiter hieß, haben Firmen deutschlandweit mehr als 31000 Plätze für so genannte Einstiegspraktika gemeldet, mit denen schwer vermittelbare Jugendliche auf eine „normale“ Ausbildung vorbereitet werden sollen; mit 7200 Jugendlichen wurden bislang entsprechende Praktikumsverträge abgeschlossen. Der DGB erklärte dazu, die Einstiegsqualifizierungen sowie die Plätze in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (plus drei Prozent auf 116000) „sind keine Ausbildung, sondern allenfalls Vorbereitung auf Ausbildung“. alf

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