Wirtschaft : Umstrukturierung kostet Ford Milliarden

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Der US-Autokonzern Ford hat ein rabenschwarzes Jahr hinter sich. Vor allem das letzte Quartal des Geschäftsjahr 2001 verhagelte dem zweitgrößten Autohersteller der Welt die Bilanz. Ford teilte am Donnerstag im amerikanischen Dearborn mit, der Nettoverlust habe in den Monaten Oktober bis Dezember 5,07 Milliarden Dollar (5,75 Milliarden Euro) betragen. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Reingewinn von 1,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Ein Großteil des Verlustes geht auf die von der neuen Konzernleitung angestoßenen Umstrukturierungen zurück. Wie Ford mitteilte, haben diese zu einer Belastung in Höhe von 4,1 Milliarden Dollar geführt. Rückläufig entwickelte sich auch der Umsatz im vierten Quartal 2001. Er reduzierte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 41,15 Milliarden Dollar. Insgesamt muss Ford damit das schlechteste Ergebnis der letzten Jahre ausweisen. Das Gesamtjahr 2001 endete mit einem Bilanzverlust von 5,45 Milliarden Dollar gegenüber 3,5 Milliarden Dollar Gewinn im Jahr zuvor. Zuletzt war der Autokonzern 1992 in die roten Zahlen gerutscht.

Als Folge dieser negativen Entwicklung kündigte Ford für 2002 ein Jahr des Wandels an. "Wir werden dieses Unternehmen wieder nach vorne bringen", sagte Konzernchef Bill Ford in der letzten Woche in Detroit. Dafür wurde der ehemalige Europa-Chef von Ford, Nick Scheele, nach Amerika berufen und dem Urenkel von Firmengründer Henry Ford zur Seite gestellt. Scheele sagte, Ford werde sich auf die Umsetzung eines radikalen Umstrukturierungsplans konzentrieren, was mit einer Drosselung der Produktion einhergeht. Nahziel sei es, im ersten Quartal 1,05 Millionen Fahrzeuge zu produzieren, im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum wäre das ein Rückgang um drei Prozent.

Probleme bereitet den Amerikanern vor allem das Geschäft im Heimatmarkt USA. Während deutsche Automobilhersteller wie Volkswagen, BMW oder Porsche in Nordamerika auch im Jahr 2001 noch gute Geschäfte machten, verkaufte Ford in seinem Stammmarkt immer weniger Autos. Insgesamt wurden nach Ford-Angaben im vergangenen Jahr sechs Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr abgesetzt.

Vor allem die groß angelegten Rückrufaktionen wegen mangelhafter Verarbeitung haben das Image und zugleich das Vertrauen der US-Kunden in Ford beschädigt. Das größte Missgeschick unterlief dem Autokonzern im letzten Jahr mit dem Geländewagen "Explorer". Die mit Firestone-Reifen ausgestatteten Autos wiesen eine ungewöhnliche Häufung von Unfällen auf. Die Behörden zählten 203 Tote und mehr als 700 Verletzte. Bei allen Unfällen waren die Firestone- Reifen aus unerklärlichen Gründen geplatzt. Allein die Kosten für die Rückrufaktion der mehr als 13 Millionen Reifen beliefen sich auf 2,1 Milliarden Dollar nach Steuern.

Ein nun eingeleitetes Notprogramm - es läuft bis Mitte des Jahrzehntes - soll den Konzern wieder aus den roten Zahlen führen. Den größten Beitrag dazu sollen die Beschäftigten leisten. Allein in Nordamerika werden voraussichtlich 22 000 Mitarbeiter entlassen. Mit anderen bereits im Jahr 2001 eingeleiteten Maßnahmen werden 35 000 Stellen weltweit wegfallen. Gleichzeitig werden in den nächsten Jahren gleich fünf Werke in Nordamerika geschlossen.

Besser sieht die Lage für Ford in Europa aus, die Werke dort sollen von den Umstrukturierungsvorhaben der Amerikaner verschont bleiben. "Europa ist vielmehr ein Beispiel dafür, was wir in den USA zu tun haben", sagte Scheele in dieser Woche. Der Konzernmanager hatte im vergangenen Jahr selbst die europäische Umstrukturierung in die Hand genommen und soll nun den Amerikanern unter die Arme greifen. Dass die Umstrukturierung in Europa geklappt hat, zeigt das Vorhaben der Kölner Zentrale, in diesem Jahr mehrere 100 Millionen Dollar Gewinn einspielen zu wollen. Gute Chancen werden Ford mit dem neuen "Fiesta" eingeräumt. Das Auto soll vor allem dem schwächelnden Konkurrenten Opel und dessen "Corsa" un dem "Polo" von Volkswagen Konkurrenz machen.

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