Umstrukturierung : Siemens-Reform: Auf drei Säulen

Der Siemens-Aufsichtsrat beschließt heute den Konzernumbau nach dem Schmiergeldskandal.Auf breiter Basis zeichnet sich Unterstützung für Vorstandschef Löscher ab.

Corinna Visser
Siemens
Der Konzernumbau bei Siemens ein Ende der Negativ-Schlagzeilen bringen. -Foto: dpa

Berlin - In dieser Woche gibt es bei Siemens ein gewaltiges Stühlerücken. Am heutigen Mittwoch um 13 Uhr tritt der Aufsichtsrat zusammen. Dann diskutieren die 20 Männer und Frauen über die neue Struktur, die der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher dem Konzern geben will, und über die Personen, die den Konzern künftig führen sollen. Bisher sieht es so aus, als würde Löscher seine Vorstellungen umsetzen können. Denn weder von den Vertretern des Kapitals noch der Arbeitnehmerseite ist grundlegende Kritik laut geworden. Beobachter warnen jedoch davor zu glauben, dass alles bereits beschlossene Sache sei. Man dürfe durchaus gespannt sein, was am Ende herauskommt.

Klar ist: Der Konzern wird künftig klarer strukturiert sein und auf den drei Säulen Industrie, Energie und Gesundheit stehen. Klar ist auch: Der bisher elfköpfige Zentralvorstand, dessen Mitglieder keine operative Verantwortung für das Geschäft hatten, wird abgeschafft. Stattdessen wird ein Vorstand, bestehend aus dem Vorsitzenden Löscher und sieben weiteren Mitgliedern, an der Spitze des Konzerns stehen.

Drei dieser Mitglieder werden künftig das operative Geschäft der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit leiten. Vorschlagen wird Löscher dem Vernehmen nach Heinrich Hiesinger (47), Wolfgang Dehen (53) und Erich Reinhardt (61). Hiesinger, seit 1992 bei Siemens in verschiedenen Positionen tätig, sitzt bereits jetzt im Zentralvorstand und betreute dort bisher unter anderem die Region Europa. Dass Dehen künftig den Sektor Energie führen soll, gilt als Überraschung. Bisher war er Chef der Autozuliefersparte VDO, die inzwischen an Conti verkauft wurde. Reinhardt bleibt dagegen bei seinem Metier. Er leitet bereits die Medizintechnik.

Daneben wird es je einen Vorstand für Finanzen, Technologie und Compliance (die Einhaltung der Antikorruptionsregeln) geben. Die drei Posten sind bereits besetzt mit Joe Kaeser, Hermann Requardt und Peter Solmssen. Neuer Personalvorstand soll dem Vernehmen nach Siegfried Russwurm werden, der bisher im Bereichsvorstand der Medizintechnik tätig war. Fünf Manager werden den Konzern wohl verlassen: Personalvorstand Jürgen Radomski, Klaus Wucherer (bisher: Industrie), Uriel Sharef (Energie), Eduardo Montes (Communications) und Rudi Lamprecht (Joint Ventures). Lamprecht führte einst das Handy-Geschäft, das nach dem Verkauf an BenQ ein klägliches Ende nahm.

„Das Spannende wird sein, wie der Zuschnitt der Bereiche unterhalb der drei großen Sektoren aussehen wird“, sagt Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Darüber ist bisher noch wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. „Das wird Aufschluss darüber geben, welche Aktivitäten Siemens künftig zum Verkauf stellen wird“, sagt Rothauge. Insgesamt hält der Analyst die neue Struktur von Vorstand und Konzern für eine gute Lösung. „In der Vergangenheit hatte man fast den Eindruck, dass Manager, mit denen man nichts mehr anfangen konnte, in den Vorstand weggelobt wurden“, sagt Rothauge. „Die neue Struktur ist auf jeden Fall ein riesiger Schritt voran.“

Begrüßt wird daneben und vor allem auch von der Arbeitnehmerseite, dass künftig Verantwortlichkeiten klarer zugeordnet sind. Im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre hatten aufgrund der komplexen Struktur immer wieder Vorstandsmitglieder mit der Behauptung überrascht, sie hätten überhaupt nichts mitbekommen von den bedenklichen Zuständen im Konzern.

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