Wirtschaft : UMTS: Absagen gefährden Schweizer Auktion

Die Schweizer UMTS-Auktion, bei der ab Montag vier Lizenzen für multimediafähige Mobilfunknetze versteigert werden sollen, gerät durch mehrere Bieterabsagen in Gefahr. Am Freitag gaben sowohl die Deutsche Telekom mit ihrer Tochter T-Mobile International als auch Telenor aus Norwegen und Hutchison Whampoa aus Hongkong ihren Rückzug bekannt. Am Vorabend hatte der zur US-Gruppe NTL gehörende Schweizer Kabelnetzbetreiber Cablecom abgesagt wie zuvor bereits die finnische Sonera und die australische One.Tel. Damit verbleiben nur noch fünf Bieter für vier Lizenzen. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hält jedoch am Auktionsvorhaben fest. Sollte sich ein weiterer Bieter zurückziehen, würden die Lizenzen unter den verbliebenen Interessenten zum Mindestgebot von je 50 Millionen Franken (64,3 Millionen Mark) vergeben.

T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke sagte dem "Handelsblatt", sein Unternehmen werde sich definitiv nicht an der Versteigerung beteiligen. Die Telekom wolle zunächst "abwarten, wie sich der Mobilfunkmarkt Schweiz entwickelt". Auch vom italienischen Markt hatte sich die Telekom ferngehalten. Dort war die UMTS-Auktion im Oktober wegen bröckelnder Bieterfront vorzeitig zu Ende gegangen. In Österreich kam sie dagegen über ihre Tochterfirma Maxmobil relativ günstig zum Zuge. Frank Wellendorf von WestLB Panmure sprach von einem konsequenten Schritt, dass die Telekom nicht als Neueinsteiger in den Markt gehe. Sie habe immer eine Mehrheitsbeteiligung an einem bestehenden Unternehmen favorisiert. So hält es Wellendorf nicht für ausgeschlossen, dass es später doch noch zu einer Allianz von Diax und Telekom kommt. So wolle sich nämlich der Diax-Hauptanteilseigner, der US-Konzern SBC, aus Europa ganz zurückziehen.

Das Bakom teilte derweil den Rückzug von Telenor und Hutchison mit; Gründe wurden zunächst nicht bekannt. Die zur Auktion zugelassene Kabelfirma Cablecom begründete die Absage mit den zu erwartenden hohen Kosten für eine Lizenzgebühr. Das Unternehmen wolle sich später einen Partner suchen, um doch UMTS-Dienste anbieten zu können. Am Mehrheitseigner NTL ist zu 25 Prozent France Télécom beteiligt, was eine Allianz mit der Mobilfunktochter der Franzosen, Orange, nahelegen würde.

Als sicherer Auktionsteilnehmer galt am Freitag der Ex-Monopolist Swisscom, der sich vor kurzem mit dem britischen Mobilfunkriesen Vodafone verbündet hat. und noch zu 65,5 Prozent im Staatsbesitz ist. Teilnehmen wollen auch der France-Télécom-Ableger Orange Communications sowie die spanische Telefónica. Die Spanier wollten ursprünglich in einem Konsortium antreten, stehen nach dem Wegfall der Partner Sonera und One.Tel aber allein da. Ferner hat das Unternehmen Diax des gleichnamigen Stomversorgers und des US-Telefonkonzerns SBC sowie Sunrise Communications mit den Großaktionären Tele Danmark, British Telecom, der Schweizer Bahn und der Bank UBS. Die Lizenzen werden für 15 Jahre vergeben.

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