Wirtschaft : UMTS-Auktion: Das Gefecht um die deutschen Lizenzen beginnt

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Kasernierung auf unbestimmte Zeit. Am heutigen Montag um 10 Uhr beginnt in Mainz die Versteigerung der UMTS-Lizenzen. Für die Dauer der Versteigerung gelten strenge Sicherheitsvorschriften - immerhin geht es um viel Geld. In Großbritannien brachte die Versteigerung der UMTS-Lizenzen 75 Milliarden Mark ein. Auf den deutschen Markt übertragen, ging man von bis zu 120 Milliarden Mark Auktionserlös aus. Inzwischen wird zwar mit viel weniger gerechnet, doch nach wie vor ist das Ergebnis offen. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, die die Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard im Auftrag der Bundesregierung versteigert, will mit der strengen Überwachung der Auktionsteilnehmer verhindern, dass sie illegale Absprachen untereinander treffen.

Antreten werden an diesem Morgen sieben Bewerber: Die Mobilfunktochter T-Mobil (D1) der Deutschen Telekom ist der einzige rein deutsche Teilnehmer. Konzernchef Ron Sommer kann sich keine Schlappe erlauben. Eine UMTS-Lizenz ist für den deutschen Marktführer Mannesmann Mobilfunk (D2) ebenfalls ein Muss. Seit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone gibt es kaum Zweifel, dass sich der Bewerber bei der Auktion durchsetzen wird. Die Telefongesellschaft Mobilcom, bisher ohne eigenes Mobilfunknetz, hat mit France Télécom einen starken Partner gefunden.

Als aussichtsreicher Anwärter gilt auch das Konsortium E-Plus/Hutchison. Der deutsche Mobilfunkanbieter E-Plus, Tochterfirma der niederländischen KPN, hat seine eigenständige UMTS-Bewerbung zurückgezogen und wird gemeinsam mit Hutchison antreten; mit im Boot sitzt der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo. Hauptaktionäre des E2-Netz-Betreibers Viag Interkom sind der Energiekonzern Eon und die British Telecom (BT). BT kann sich keinen Flop leisten, um den Anschluss an die mobile Internetwelt nicht zu verpassen. Unklar ist, inwieweit sich Eon finanziell engagieren will.

Dem größten netzunabhängigen deutschen Mobilfunbetreiber Debitel wird nur eine Außenseiterchance eingeräumt. Die Tochterfirma der schweizerischen Swisscom hat keine finanzkräftigen Partner, nachdem Gespräche mit dem US-Telefonkonzern MCI Worldcom scheiterten. Als ein reiner Zählkandidat wird das Konsortium G3 betrachtet. Nach dem Rückzug des britischen Mobilfunkbetreibers Orange besteht die Gruppe noch aus der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera. Das Konsortium müsste als Neuling eine komplette Infrastruktur aufbauen und hat noch keinen einzigen Kunden in Deutschland.

Ersteigern können die sieben Bewerber vier bis sechs Lizenzen je nachdem, für wie viel Kapazität die einzelnen Teilnehmer bieten. Der Präsident der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, sagte der "Bild am Sonntag", es sei gut möglich, dass am Ende vier Bieter übrig bleiben werden. "Die Zahl der Wettbewerber bliebe so zwar klein, aber die für den Markt notwendige Konkurrenz zum Vorteil der Verbraucher bleibt auch so gesichert", sagte Scheurle.

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