Wirtschaft : UMTS-Auktion: Deutsche sind Weltmeister in der Versteigerung von Mobilfunklizenzen

Die Auktion der UMTS-Mobilfunklizenzen hat am Montag mit Höchstgeboten von insgesamt 78 Milliarden Mark einen neuen Weltrekord aufgestellt. Die verbliebenen sechs Bieter übertrafen damit den Gesamterlös der britischen UMTS-Auktion, bei der im Frühjahr 75,2 Milliarden Mark gezahlt worden waren. Trotz des Rekordergebnisses wollen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel die Einnahmen ausschließlich zum Schuldenabbau nutzen.

Werden die Staatsschulden mit den Auktionserlösen abgebaut, kann die Bundesregierung mit mehr als 3,5 Milliarden Mark Zinsersparnis rechnen, wie die jüngsten Berechnungen aus dem Finanzministerium ergaben. Noch ist allerdings kein Ende der Auktionsrunde abzusehen. Klar war am frühen Montagabend nur, dass sich nach der 138. Bieterrunde je zwei Frequenzpakete auf die verbliebenen sechs Bieter verteilten. An der Spitze des Feldes lag die Gruppe G3 mit rund 13,39 Milliarden Mark. Es folgten T-Mobil mit 13,33 Milliarden Mark und Mannesmann Mobilfunk mit 12,96 Milliarden Mark.

Für Dienstag kündigte der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, eine Absenkung der Mindesterhöhung bei neuen Geboten an. Danach müssen die Bieter die Höchstgebote in einem der zwölf Frequenzblöcke nicht mehr um zehn, sondern nur noch mindestens um fünf Prozent übertreffen. Durch die bisher verlangte Mindestzulage lagen die Zuwächse in einem Block zuletzt bei über 600 Millionen Mark. Mit der Absenkung der mindestens geforderten Zuwachsrate soll sichergestellt werden, dass die zu vergebenden vier bis sechs Lizenzen in etwa gleich teuer werden, begründete Scheurle seine Ankündigung. Am Montag lagen die Kosten für eine kleine UMTS-Lizenz (zwei Frequenzblöcke) zwischen zwölf und 13 Milliarden Mark.

Scheurle sagte weiter, ein Ende der Versteigerung sei derzeit nicht absehbar. "Wir sind noch nicht auf der Zielgeraden." Beobachter rechnen angesichts der hohen Gebote in den nächsten Tagen aber mit einer Entscheidung. Die Auktion ist beendet, wenn keiner der Bieter in einer Runde ein neues Höchstgebot vorlegt.

Zu Presseberichten, der britische Mobilfunkbetreiber Orange plane eine Übernahme des finnischen Telekommunikationsunternehmens Sonera, sagte Scheurle, seine Behörde habe den Vorgang im Blick: "Ich hänge das nicht so hoch, aber es gibt jetzt erst einmal Informationsbedarf." Es gebe keinen Anlass, die Auktion zu unterbrechen. Sonera ist bei der UMTS-Versteigerung in einem Konsortium mit der spanischen Telefónica vertreten. Die Orange-Mutter France Télécom bietet in Mainz gemeinsam mit Mobilcom. Ein Unternehmen darf aber nicht in mehreren Konsortien vertreten sein, beziehungsweise nur für eine Lizenz bieten.

Die Münchener Viag Interkom kündigte am Montag an, wegen der hohen Kosten nur noch für eine kleine Lizenz zu bieten. Ein Unternehmenssprecher begründete den Schritt mit "kaufmännischen Überlegungen". "Wir haben an einem bestimmten Punkt festgestellt, dass der dritte Block uns über sechs Milliarden Mark kosten würde", sagte der Sprecher. Dieses Geld wolle Viag Interkom lieber in den Aufbau des Netzes und das Angebot interessanter Produkte investieren. Zwei Frequenzblöcke sind Voraussetzung, um ein flächendeckendes Netz für UMTS-Handys in Deutschland aufzubauen. Drei Frequenzblöcke gelten aber als unerlässlich, um viele Kunden zu erreichen, sowie als Vorbedingung für schnelle Multimediaanwendungen im UMTS-Netz.

Sechs Bieter waren am Montag noch im Rennen. In der 131. Runde waren erstmals alle Frequenzblöcke gleichmäßig auf die Bewerber verteilt. Die Versteigerung hätte an dieser Stelle zu Ende gehen können, wenn keiner der Bieter ein höheres Angebot vorgelegt hätte. Trotz der hohen Preise wollen sich einige Unternehmen offenbar aber nicht mit einer kleinen Lizenz zufrieden geben.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Hans Peter Stihl, forderte Eichel auf, bei der Verwendung der Auktionserlöse hart zu bleiben. Die Forderung nach weiteren Steuersenkungen sei zu kurz gedacht. Das Geld müsse zum Abbau der Staatsschulden eingesetzt werden. Der saarländische Finanzminister Peter Jacoby forderte, mit den Einnahmen den Fonds Deutsche Einheit abzulösen. Der Fonds belaufe sich auf 80 Milliarden Mark und entspreche damit dem zu erwartenden Erlös aus der Auktion. Auch die Bundesländer würden von dieser Regelung profitieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben