Wirtschaft : UMTS-Auktion: Die Börse bestraft die Bieter

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Der Milliarden-Poker um die UMTS-Lizenzen hat am Mittwoch zu Irritationen an der Börse geführt. Die Aktien der verbliebenen Mitbieter mussten zum Teil herbe Kursverluste hinnehmen, nachdem die Gebote die Summe von über 93 Milliarden Mark erreicht hatten. Die über den Erwartungen liegenden Kosten für die Lizenzen ließen Befürchtungen über sinkende Unternehmensgewinne aufkommen. "Das Geld holen die Telekomunternehmen nie wieder rein", hieß es.

Unter Druck gerieten insbesondere die Mobilcom-Aktie, die bis zum Abend um über acht Prozent nachgab, sowie die Deutsche-Telekom-Aktie, die gut zwei Prozent einbüßte. Aber auch die Kurse von KPN, der Mutter von E-Plus, und British Telecom, Anteilseigner von Viag Interkom, zählten zu den Verlierern. Je weiter die Gebote der noch verbliebenen Konzerne in die Höhe steigen - in der 162. Runde wurden am Mittwoch 93,35 Milliarden Mark geboten -, um so kritischer wird in der Finanzwelt die Frage nach dem ökonomischen Sinn gestellt. Die Experten sehen die immensen Lizenz-Zahlungen als schwere Belastung für die Unternehmen. "Es dürfte sehr lange dauern, bis die Netze profitabel arbeiten", sagte der UMTS-Experte der DG Bank, Robert Vinall. Er empfiehlt Anlegern, Aktien deutscher und britischer Netzbetreiber eher zu meiden. Interessanter seien vielmehr Zulieferer. Für die Lizenzen bieten derzeit noch die Deutsche Telekom, Mannesmann/Vodafone, E-Plus/Hutchison, Viag Interkom, Mobilcom/France Télécom und Telefónica/Sonera.

Eine Analysten-Umfrage ergab, dass die meisten Experten bisher unterschätzt haben, was die Bietergruppen bereit sind zu zahlen. Im Durchschnitt wird nach Überspringen der 90-Milliarden-Hürde nun ein Versteigerungserlös von rund 97 Milliarden Mark erwartet. Eine Umfrage vor Beginn der Auktion am 31. Juli hatte ergeben, dass im Durchschnitt mit 62 Milliarden Mark gerechnet wurde. Als überraschend werteten Analysten zumeist das Bieterverhalten des Konsortiums 3G von Telefónica und Sonera, das als Ausstiegskandidat gehandelt wird. Ohne Netzinfrastruktur und Kundenbasis werde die Refinanzierung nur mit margendrückenden "Kampfpreisen" möglich sein, sagte Christoph Vogt von M.M. Warburg. Zudem sei der Finanzrahmen von Mobilcom/France Télécom nahezu ausgeschöpft.

Die meisten Analysten gehen davon aus, dass das spanisch-finnische Konsortium 3G als nächstes aus der Auktion aussteigen wird, was fünf Bieter als Sieger aus der Auktion hervorgehen lassen wird. Als voraussichtliche Lizenznehmer sehen zehn der elf befragten Analysten T-Mobil, D2-Mannesmann, E-Plus-Hutchison, Viag Interkom und Mobilcom/France Télécom.

Die finanzielle Belastung der Bieter dürfte Spuren im Image an den Kapitalmärkten hinterlassen. Das Magazin "Focus Money" berichtete am Mittwoch, Ratingagenturen wollten fast alle Bieter nach dem Ende der deutschen Auktion herabstufen. "Fast alle Unternehmen werden von uns herabgestuft", wird die Rating-Agentur Standard & Poors zitiert. Auf Grund kostspieliger Übernahmen und Lizenzen stünden die Deutsche Telekom, British Telecom, France Télécom und die holländische KPN bereits mit Negativzeichen auf der Beobachtungsliste. Eine schlechtere Bewertung von Bonität und Kurspotenzial hätte für die Konzerne vor allem höhere Zinsen für Kredite und Anleihen zur Folge.

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