Wirtschaft : UMTS-Auktion in Italien: Rom dämpft die Euphorie

Werner Raith

Es war wie ein altbekanntes Über-Kreuz-Spiel innenpolitischer Manöver, gekonntem Intrigenspiel und ökonomischer Schlitzohrigkeit, das am Ende zum massiven Einbruch bei den Versteigerungen der UMTS-Lizenzen in Italien geführt hat. Aber der Vorgang zeigt jenseits des "typisch Italienischen" auch Wechselwirkungen mit der Entwicklung in ganz Europa - und nährt Zweifel über die Zukunft des UMTS-Geschäfts als solches. So war schon im Vorfeld zu beobachten, dass sich ausländische Mitbewerber in Italien auffällig zurückhielten - obwohl das Land als attraktivster Markt der dritten Mobiltelefon-Generation gilt. Auch British Telecom zeigte sich so zurückhaltend, dass ihr Konsortium Blu schon nach wenigen Runden das Handtuch warf. So manches an diesem Manöver deutet auf Absprachen hin - doch die wären eben gar nicht möglich gewesen, hätten sich mehr potente Ausländer eingemischt. Entweder haben sich nach den Milliarden-Ausgaben in Deutschland und Großbritannien die Budgets auch der kapitalkräftigsten Unternehmer erschöpft - oder deren Interesse und vielleicht auch der früher ungebrochene Glaube an einen Billionen-Markt ist etwas erlahmt. Blu hat bereits angekündigt, eine Offensive zur "Verbesserung der derzeitigen Handygeneration" zu starten, damit die Verbraucher später keinerlei Bedarf am UMTS entwickeln. Das mag zwar nach dem Spruch "die Trauben sind eh zu sauer" klingen. Es könnte aber angesichts der Unvorhersehbarkeit der technologischen Erfindungen am Ende die bessere Wahl sein. Dass nicht nur die Aktien der Versteigerungsgewinner gestiegen sind, sondern auch die des Rückzüglers British Telecom, deutet darauf hin, dass auch so mancher Analyst den Spatz in der Hand für begehrenswerter hält als die Taube auf dem Dach.

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